Hook: Der Rekrut, dem eine Instagram-Story den Start versaute
In meiner Zeit als Ausbilder in Feldkirchen hatte ich es öfter erlebt als mir lieb war: Ein junger Typ kommt zur Grundausbildung, motiviert, topfit, hat den CAT-Test problemlos bestanden. Aber sein Einrückungsdatum verschiebt sich wieder und wieder. Irgendwann, nach gut sechs Monaten, sagt ihm das Karrierecenter: „Deine Sicherheitsüberprüfung kann momentan nicht abgeschlossen werden."
Was war passiert? Keine Vorstrafe. Keine Schulden. Aber er hatte auf einem damals öffentlichen Instagram-Profil einen Post von einer rechten Rockband geteilt — irgendwas aus Schülertagen. Dazu noch ein Bild, auf dem er mit jemandem zu sehen war, der dem Verfassungsschutz bekannt war. Er selbst hatte keinen Extremismus-Bezug, aber das Bild reichte, um das Verfahren monatelang in die Länge zu ziehen.
Ende gut? In seinem Fall ja — nach einem persönlichen Klärungsgespräch wurde die Überprüfung abgeschlossen und er konnte einrücken. Aber die Nerven hatte es ihn gekostet. Hätte er gewusst, was der MAD macht und worauf er achtet, hätte er den Post vorher gelöscht.
Genau dafür ist dieser Artikel da. Ich erkläre dir, was bei der Sicherheitsüberprüfung tatsächlich passiert, welche Stufe für wen gilt, was sie rauswirft — und was du tun kannst, damit du nicht monatelang wartest.
1. Was ist die Sicherheitsüberprüfung — und warum muss jeder Soldat durch sie?
Die Sicherheitsüberprüfung — kurz SÜ — ist eine gesetzliche Pflicht für jeden, der eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit beim Bund ausübt. Bei der Bundeswehr gilt das fast immer: du kommst mit Waffen, verschlüsselter Kommunikation, militärischen Lageplänen oder sensiblen Informationen in Berührung.
Das Ziel: Der Staat will sicherstellen, dass du vertrauenswürdig bist, keinen extremistischen Hintergrund hast, nicht erpressbar bist und loyal zur Verfassung stehst.
Was viele nicht wissen: Die SÜ wird nicht vom Karrierecenter durchgeführt, sondern vom BAMAD — dem Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst. Das BAMAD gibt am Ende ein Sicherheitsvotum ab. Die endgültige Entscheidung liegt beim Dienstherrn — also beim Bundesministerium der Verteidigung beziehungsweise der zuständigen Dienststelle.
Wenn du wissen willst, welche weiteren Voraussetzungen für eine Bewerbung relevant sind, schau dir unseren Artikel Bundeswehr Voraussetzungen 2026 an.
2. Rechtsgrundlage: SÜG und § 7 Soldatengesetz
Die rechtliche Grundlage ist das Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG). Es regelt, unter welchen Bedingungen eine Sicherheitsüberprüfung durchgeführt wird, welche Maßnahmen erlaubt sind und was ein Sicherheitsrisiko ausmacht.
Die wichtigsten Paragraphen für Bewerber:
- § 1 SÜG — Anwendungsbereich: gilt für sicherheitsempfindliche Tätigkeiten im öffentlichen Dienst
- § 5 SÜG — Definition eines Sicherheitsrisikos (drei Kategorien)
- § 8 SÜG — Einfache Sicherheitsüberprüfung (Ü1)
- § 9 SÜG — Erweiterte Sicherheitsüberprüfung (Ü2)
- § 10 SÜG — Erweiterte Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen (Ü3)
- § 14 SÜG — Abschluss, Grundsatz „Im Zweifel für die Sicherheit"
Dazu kommt § 7 Soldatengesetz (SG): Jeder Soldat ist verpflichtet, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten. Das ist keine Kann-Vorschrift — das ist eine Grundpflicht. Wer sie verletzt, verliert seinen Dienstposten, in schweren Fällen seinen Soldatenstatus.
3. Die drei Stufen: Ü1, Ü2, Ü3 — was steckt dahinter?
Die Sicherheitsüberprüfung gibt es in drei Stufen, die sich nach dem Geheimhaltungsgrad des Dienstpostens richten. Je höher die Geheimstufe, desto tiefer die Überprüfung.
Ü1 — Einfache Sicherheitsüberprüfung
Die Ü1 ist die Standard-Stufe für den Großteil aller Bundeswehrsoldaten. Wer mit VS-VERTRAULICH klassifizierten Informationen in Berührung kommen kann — oder wer eine Waffenausbildung erhält — durchläuft mindestens eine Ü1.
Was geprüft wird: Identität, Wohnsitze, Angaben der Sicherheitserklärung sowie Abfragen beim Verfassungsschutz und beim Bundeszentralregister. Kein Einbezug des Partners. Keine Befragung von Referenzpersonen.
Ü2 — Erweiterte Sicherheitsüberprüfung
Ü2 gilt für Dienstposten mit Zugang zu GEHEIM oder einer hohen Menge VS-VERTRAULICH eingestufter Dokumente sowie für vorbeugenden Sabotageschutz und bestimmte IT-Sicherheitsverwendungen.
Zusätzlich zu den Ü1-Maßnahmen: persönliche Identitätsprüfung, Polizeiabfragen für alle Wohnsitze der letzten fünf Jahre, systematische Auswertung öffentlich einsehbarer Social-Media-Profile. Dein Ehegatte, Lebenspartner oder Lebensgefährte wird einbezogen und muss ausdrücklich zustimmen. Ohne Zustimmung ist die Ü2 nicht durchführbar.
Ü3 — Erweiterte Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen
Ü3 gilt für Zugang zu STRENG GEHEIM, Führungsverwendungen oder Personal der Nachrichtendienste. Zusätzlich zu allem bisherigen kommen aktive Ermittlungen im näheren Lebensumfeld. Du musst drei Referenzpersonen benennen — Kameraden oder Bekannte (keine Familienangehörigen, keine Lebensgefährten, keine reinen Online-Bekanntschaften). Diese werden vom MAD aktiv befragt.
4. Welche Stufe gilt für welchen Dienstposten?
Ü1 gilt typischerweise für: - Standard-Soldaten mit Waffenausbildung (de facto fast alle) - Techniker, Kraftfahrer, Sanitäter, Logistik
Ü2 gilt typischerweise für: - Fernmeldetruppe, IT/Cybertruppe - Dienstposten mit regulärem Umgang mit GEHEIM-Dokumenten - Bestimmte Stabsverwendungen und G2-Funktionen (Nachrichtenwesen) - Vorbeugender Sabotageschutz
Ü3 gilt typischerweise für: - MAD-eigenes Personal - Strategische Führungsverwendungen - Zugang zu Signalaufklärung, STRENG GEHEIM-Lagebildern - Spitzenverwendungen bei NATO-Hauptquartieren
Wenn du noch nicht weißt, welche Stufe auf deinen Wunschdienstposten zutrifft: Frag beim Karrierecenter nach. Mehr zur Bewerbung insgesamt findest du in unserem Artikel Bundeswehr Bewerbung 2026.
5. Neu 2026: Unterstützte Verfassungstreueprüfung ersetzt Ü1 für Neueinstellungen
Das ist die wichtigste Änderung für 2026.
Der Bundestag hat am 4. Dezember 2025 das Gesetz zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr beschlossen. Es ist seit 2026 in Kraft. Die zentrale Neuerung: Die bisherige Ü1 wird für Neueinstellungen und Reservisten ohne eigenen SÜ-Dienstposten durch die „unterstützte Verfassungstreueprüfung" ersetzt.
Was ist die unterstützte Verfassungstreueprüfung?
Die unterstützte Verfassungstreueprüfung ist kein abgeschwächtes Verfahren — sie ist ein schnelleres. Das Verfahren stützt sich auf:
- Bundeszentralregister-Auszug (Vorstrafen)
- NADIS-Abfrage (Nachrichtendienstliches Informationssystem — interne Datenbank der Verfassungsschutzbehörden)
- Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen — explizit einschließlich Social Media
Die klassische Ü1 mit ihrer vollen Sicherheitserklärung bleibt erhalten — aber nur noch für spezifische Dienstposten, die es tatsächlich erfordern.
Das bisherige System war zu langsam: Bewerber warteten teils über sechs Monate auf den Abschluss ihrer Ü1. Der BAMAD war überlastet. Die neue Prüfung soll deutlich schneller sein — Ziel sind wenige Wochen.
Wenn du dich als FWD, SaZ oder Feldwebelanwärter bewirbst: Rechne damit, dass du zunächst die unterstützte Verfassungstreueprüfung durchläufst. Social Media wird dabei explizit geprüft.
Wichtig: Der offizielle Begriff lautet „unterstützte Verfassungstreueprüfung". Das Kürzel „SÜ 0" ist ein inoffizieller Medienterm, kein Rechtsbegriff.
6. MAD und BfV — wer prüft eigentlich was?
Viele denken, der Verfassungsschutz (BfV) macht die Sicherheitsüberprüfung bei der Bundeswehr. Falsch.
BAMAD (Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst): - Zuständig für alle Bundeswehrsoldaten und ziviles Bundeswehr-Personal - Führt die SÜ durch, hat Zugang zu NADIS, nachrichtendienstliche Mittel sind erlaubt - Gibt das Sicherheitsvotum ab — eine Empfehlung an den Dienstherrn - Die finale Entscheidung liegt beim zuständigen Dienstherrn (BMVg / Dienststelle)
BfV (Bundesamt für Verfassungsschutz): - Zuständig für zivile Behörden und die Privatwirtschaft - Wird bei Bundeswehr-SÜ als Informationslieferant angefragt, führt die SÜ selbst aber nicht durch - Das BfV hat keinen Soldaten zu laden oder zu befragen — das ist MAD-Aufgabe
Wenn du einen Brief zur Sicherheitsüberprüfung bekommst, kommt der vom BAMAD oder Karrierecenter. Wenn der MAD dich zu einem persönlichen Gespräch lädt — keine Panik, das ist bei Ü2 und Ü3 normal.
7. Die Sicherheitserklärung: Was musst du alles angeben?
Die Sicherheitserklärung ist ein mehrseitiger Fragebogen, in dem du angibst:
- Vollständige Wohnsitze (lückenlos — jede Wohnung, jede WG, jeder Umzug)
- Finanzielle Verhältnisse — Schulden, Verbindlichkeiten, Insolvenzverfahren
- Auslandsaufenthalte — Länder, Dauer, Zweck
- Vorstrafen und laufende Strafverfahren — auch bereits erledigte Verfahren
- Mitgliedschaften in Vereinen, Parteien, Organisationen
- Familienverhältnisse und Partnerdaten (ab Ü2)
- Kontakte zu ausländischen Staatsangehörigen oder Behörden (je nach Stufe)
Das ELSE-Tool
Das Ausfüllen läuft digital über ELSE (Elektronische Sicherheitserklärung) — ein kostenloses Download-Programm des BAMAD. Du füllst die Erklärung auf deinem PC aus, speicherst sie als .elseerkl-Datei und sendest sie verschlüsselt an den Sicherheitsbeauftragten deiner Dienststelle. Alternativ kannst du ausdrucken und unterschrieben abgeben.
Auf Anforderung durch den MAD gibt es zusätzlich ein Formular „Finanzielle Verhältnisse" — eine Excel-Datei, in der du Einnahmen, Ausgaben, Schulden und Verbindlichkeiten detailliert auflistest.
Wahrheitspflicht
Unwahre Angaben in der Sicherheitserklärung sind ein eigenständiger Ablehnungsgrund — unabhängig davon, was du verschwiegen hast. Selbst wenn der eigentliche Sachverhalt kein Problem wäre, kann die Lüge dich trotzdem rauswerfen.
8. Was wird tatsächlich geprüft?
Schufa und finanzielle Verhältnisse
Die Schufa wird nicht direkt abgefragt — aber deine Angaben zu finanziellen Verhältnissen in der Sicherheitserklärung schon. Wenn der MAD Unstimmigkeiten findet oder Polizeiabfragen (bei Ü2) Hinweise auf Pfändungen oder Insolvenzverfahren ergeben, wird nachgefasst. Überschuldung ist kein automatischer Ausschluss.
Vorstrafen und Strafverfahren
Das Bundeszentralregister wird bei jeder SÜ-Stufe abgefragt. Auch bereits getilgte Einträge können relevant sein, wenn sie innerhalb des Betrachtungszeitraums (fünf Jahre rückblickend) liegen. Laufende Ermittlungsverfahren müssen angegeben werden, auch wenn noch kein Urteil vorliegt.
Social Media
Ab Ü2 werden öffentlich einsehbare Profile systematisch ausgewertet. Mit der neuen unterstützten Verfassungstreueprüfung gilt das auch für den schnellen Erstcheck bei Neueinstellungen. Der MAD nutzt Open-Source-Intelligence (OSINT) — alles, was du öffentlich gepostet hast, kann einbezogen werden.
Auslandskontakte und Reisen
Reisen in Länder, die das BMI als „Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken" eingestuft hat, müssen angegeben werden. Verwandtschaft in diesen Ländern ist kein automatischer Ausschluss, wird aber bewertet. Bei Ü3 wird das Lebensumfeld aktiv durch Ermittlungen gecheckt.
Verfassungsfeindliche Kontakte und Mitgliedschaften
Kontakte zu Personen, die dem Verfassungsschutz als gesichert extremistisch bekannt sind, sind problematisch. Das gilt auch für Mitgliedschaften in entsprechenden Organisationen — egal ob rechts, links oder islamistisch. Die Bewertung ist immer eine Einzelfallentscheidung.
9. Wer wird noch überprüft? Ehepartner, Referenzpersonen & Co.
Bei Ü1 und der neuen Verfassungstreueprüfung
Nur du als Bewerber. Partner, Eltern, Kameraden — niemand sonst wird einbezogen.
Bei Ü2
Dein Ehegatte, Lebenspartner oder Lebensgefährte wird in die Überprüfung einbezogen und muss ausdrücklich zustimmen. Verweigert er oder sie die Zustimmung, ist die Ü2 nicht durchführbar — und du kannst den Dienstposten nicht übernehmen.
Das ist kein hypothetisches Problem. Ich hatte in Feldkirchen Ausbilder, die für eine neue Verwendung vorgesehen waren — und dann wollte die Partnerin die Zustimmung nicht geben. Solche Gespräche muss man führen, bevor man den Dienstposten unterschreibt.
Bei Ü3
Wie Ü2 — plus du musst drei Referenzpersonen benennen. Anforderungen:
- Name, Geburtsdatum, Beruf, aktuelle Anschrift, Zeitraum der Bekanntschaft
- Keine Familienangehörigen
- Keine Lebensgefährten oder Ehepartner
- Keine reinen Online-Bekanntschaften
- Keine Kameraden aus derselben Einheit
Diese Referenzpersonen werden aktiv befragt — per Fragebogen oder persönlich. Der MAD kann darüber hinaus weitere Personen aus deinem Umfeld befragen (§ 12 Abs. 5 SÜG).
10. Wie lange dauert die Sicherheitsüberprüfung?
Der BAMAD ist chronisch überlastet — das war einer der Hauptgründe für die Reform. Bewerber, die auf eine Ü1 warten, konnten bisher sechs Monate oder länger im Schwebezustand stecken.
Was das für dich bedeutet: Wenn du im Frühjahr 2026 anfängst, dich zu bewerben, und dein Wunscheinrückungsdatum im Herbst liegt — starte früh. Die SÜ beginnt nicht am Tag deiner Bewerbung, sondern erst nach dem Auswahlgespräch/Assessment Center. Plane diese Zeit ein.
Zur Zeitplanung im gesamten Bewerbungsprozess empfehle ich unseren Artikel Musterung Bundeswehr.
11. Häufige Stolperfallen
Offene Schulden
Schulden bedeuten nicht automatisch Aus. Das Bundesverwaltungsgericht hat in ständiger Rechtsprechung (u.a. 1 WB 61.06 aus 2007) klargestellt: Es kommt auf die Gesamtbewertung an.
Was problematisch wird: - Laufendes Insolvenzverfahren — das ist praktisch immer sicherheitserheblich - Schulden, die jemanden erpressbar machen könnten - Schulden, die du in der Sicherheitserklärung verschwiegen hast
Was weniger problematisch ist: Alte Studienkredite mit laufender Rückzahlung, KFZ-Kredit, überschaubare Verbindlichkeiten, die aktiv bedient werden.
Wenn du Schulden hast, trag sie vollständig ein. Verschweigen macht es schlimmer.
Cannabis
Früherer Konsum allein ist kein Ausschlussgrund. Entscheidend ist, ob ein Missbrauch vorliegt oder ob du aktuell abhängig bist. Wer regelmäßigen Konsum in der Sicherheitserklärung verschweigt und es kommt raus, hat ein Problem — nicht wegen des Cannabis, sondern wegen der Lüge.
Alte Social-Media-Posts
Die neue Verfassungstreueprüfung prüft Social Media explizit. Mein Tipp: Geh deine öffentlichen Profile durch, bevor du dich bewirbst. Alte Posts, die du selbst heute als dumm betrachtest — lösch sie. Öffentliche Profile werden gecheckt.
Extremismus-Kontakte — auch indirekte
Es reicht nicht, selbst keine extremistischen Ansichten zu haben. Wenn du mit Personen in Kontakt stehst, die dem Verfassungsschutz bekannt sind, oder dein Profil mit solchen Inhalten verknüpft ist, wird das bewertet. Das gilt auch für:
- Mitgliedschaft in Parteien, die im Beobachtungsbericht des Verfassungsschutzes auftauchen
- Kontakte zu Reichsbürgern
- Kommentare unter extremistischen Inhalten
Auslandskontakte und Verwandtschaft
Verwandtschaft in bestimmten Ländern (§ 13 Abs. 1 Nr. 17 SÜG) muss angegeben werden. Das ist kein Ausschluss — aber es wird bewertet. Wer es verschweigt und es kommt raus, hat ein echtes Problem.
12. Was passiert, wenn die SÜ nicht abgeschlossen werden kann?
„Nicht abgeschlossen werden kann" vs. „Sicherheitsrisiko festgestellt"
„Nicht abgeschlossen werden kann" bedeutet oft: Es fehlen noch Unterlagen oder eine Rückfrage ist offen. Das ist kein Urteil — es verzögert sich nur.
„Sicherheitserhebliche Erkenntnisse festgestellt" bedeutet: Der MAD hat etwas gefunden, das als Sicherheitsrisiko gewertet wird.
Was dann passiert
Das Ergebnis des BAMAD-Sicherheitsvotums kann sein:
- „Kein Sicherheitsrisiko" → Sicherheitsermächtigung wird erteilt, du kannst eingestellt werden
- „Mit Einschränkungen" → Eingeschränkte Ermächtigung möglich
- „Sicherheitsrisiko festgestellt" → Keine sicherheitsempfindliche Verwendung; bei Neueinstellung: kein Dienstverhältnis
Der Grundsatz lautet „Im Zweifel für die Sicherheit" (§ 14 Abs. 3 SÜG). Die Beweislast liegt beim Bewerber.
Rechtsmittel
Ein Sicherheitsrisiko-Bescheid ist kein unwiderrufliches Urteil. Du kannst: 1. Widerspruch einlegen (beim BAMAD oder der zuständigen Stelle) 2. Klage vor dem Verwaltungsgericht erheben (VwGO)
Ein Wiederantrag nach Ablehnung ist laut § 12 SÜG frühestens nach fünf Jahren sinnvoll.
13. Reservisten und Ukraine-Bezug: Verschärfte Regeln 2026
Reservisten grundsätzlich SÜ-pflichtig (seit 2021)
Seit 2021 müssen auch Reservisten eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen, wenn sie mit Waffen in Berührung kommen — also faktisch fast alle, die aktiven Dienst leisten.
Neue Verfassungstreueprüfung für Reservisten 2026
Das Gesetz vom Dezember 2025 hat das für Reservisten ohne eigenen SÜ-pflichtigen Dienstposten vereinfacht: Sie durchlaufen ebenfalls die neue unterstützte Verfassungstreueprüfung statt der vollen Ü1. Schneller — aber Social-Media-Check und NADIS-Abfrage sind auch hier drin.
Ukraine-Bezug
Die aktuelle Sicherheitslage — Russlands Krieg gegen die Ukraine, erhöhte Spionage-Aktivität, die Brigade in Litauen — hat die Sicherheitsanforderungen insgesamt erhöht. Reiseanzeigepflichten und Reiseverbote für bestimmte Länder gelten jetzt für alle Soldaten, nicht mehr nur für SÜ-Pflichtige.
Wenn du als Soldat oder Reservist in die Ukraine oder in andere Länder aus der BMI-Risikostaaten-Liste reist, musst du das anzeigen — auch zum Familienbesuch. Wer das ignoriert, riskiert disziplinarische Konsequenzen.
14. FAQ: Die wichtigsten Fragen auf einen Blick
Werde ich als normaler Soldat auch sicherheitsüberprüft?
Ja. Jeder, der eine Waffenausbildung erhält, wird überprüft. Das ist de facto jeder Bundeswehrsoldat. Seit 2026 ist das die neue unterstützte Verfassungstreueprüfung für Neueinstellungen, bei sensibleren Dienstposten Ü1 bis Ü3.
Muss mein Partner auch Daten angeben?
Erst ab Ü2. Bei Ü2 und Ü3 werden Ehegatte, Lebenspartner und Lebensgefährte einbezogen — und müssen ausdrücklich zustimmen. Ohne Zustimmung ist die Ü2/Ü3 nicht durchführbar.
Ich habe Schulden. Bin ich automatisch raus?
Nein. Schulden sind kein automatischer Ausschluss. Entscheidend: Bedienst du deine Verbindlichkeiten? Gibt es ein Insolvenzverfahren? Das Bundesverwaltungsgericht hat in mehreren Urteilen klargestellt: Einzelfallabwägung ist Pflicht.
Darf ich auf Instagram Bundeswehr-Sachen posten?
Ja, aber mit Verstand. Keine Standortdaten aus der Kaserne, keine Aufnahmen aus gesperrten Bereichen, keine verfassungsfeindlichen Inhalte. Deine öffentlichen Profile werden bei Ü2 und der neuen Verfassungstreueprüfung systematisch ausgewertet. Bundeswehr Social-Media-Guidelines (Stand März 2026) sind verbindlich.
Wie lange dauert die Sicherheitsüberprüfung?
Die neue Verfassungstreueprüfung soll wenige Wochen dauern. Ü1 realistisch 3–6 Monate (bisher), Ü2 3–6 Monate, Ü3 sechs bis neun Monate und mehr. Starte frühzeitig.
Ich habe eine Verurteilung. Bin ich automatisch abgelehnt?
Nein. Es kommt auf Art, Schwere und Zeitpunkt an. Die SÜ schaut fünf Jahre zurück. Schwere oder aktuelle Verurteilungen sind sehr wahrscheinlich ein Problem. Bagatelldelikte, die lange zurückliegen, oft nicht.
Was ist ELSE und wie funktioniert das?
ELSE (Elektronische Sicherheitserklärung) ist das kostenlose Download-Programm des BAMAD. Du füllst die Sicherheitserklärung digital auf deinem PC aus, speicherst sie als .elseerkl-Datei, und schickst sie verschlüsselt oder gibst sie ausgedruckt beim Karrierecenter ab.
Quellen & Rechtsgrundlagen
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Bundeswehr.de — MAD: Sicherheitsüberprüfung Bundeswehr https://www.bundeswehr.de/de/organisation/mad-bundesamt-fuer-den-militaerischen-abschirmdienst/sicherheitsueberpruefung-bundeswehr-mad (abgerufen 12.05.2026)
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Gesetze-im-Internet.de — Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG) https://www.gesetze-im-internet.de/s_g/BJNR138400994.html (abgerufen 12.05.2026)
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Bundesamt für Verfassungsschutz — Die Sicherheitsüberprüfung https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/geheim-und-sabotageschutz/die-sicherheitsueberpruefung/Die-Sicherheitsueberpruefung_node.html (abgerufen 12.05.2026)
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BMVg — Bundestag beschließt intensivierte Sicherheitsüberprüfung (2021) https://www.bmvg.de/de/aktuelles/bundestag-beschliesst-intensivierte-sicherheitsueberpruefung-5083822 (abgerufen 12.05.2026)
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Deutscher Bundestag — Stärkung der Militärischen Sicherheit (Beschluss 04.12.2025) https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw49-de-bundeswehr-1128174 (abgerufen 12.05.2026)
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DBwV — Neues Gesetz für militärische Sicherheit https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/neues-gesetz-fuer-militaerische-sicherheit (abgerufen 12.05.2026)
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BVerwG — Urteil 1 WB 49.24 (2025): Rechtsextreme Musik und Sicherheitsrisiko https://www.bverwg.de/250925B1WB49.24.0 (abgerufen 12.05.2026)
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BVerwG — Urteil 1 WB 61.06 (2007): Schulden und Sicherheitsrisiko https://www.bverwg.de/060907B1WB61.06.0 (abgerufen 12.05.2026)
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Bundeswehr — Social-Media-Guidelines (März 2026 überarbeitet) https://www.bundeswehr.de/de/social-media-guidelines-bundeswehr (abgerufen 12.05.2026)
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Augen geradeaus! — SÜ 0 für neue Soldaten: Verfassungstreuecheck (August 2025) https://augengeradeaus.net/2025/08/sue-0-fuer-neue-soldaten-verfassungstreue-check-statt-langwieriger-sicherheitsueberpruefung/ (abgerufen 12.05.2026)
Dein Begleiter durch die Bewerbung — in der Hosentasche
Du weißt jetzt, was bei der Sicherheitsüberprüfung wirklich passiert — was der MAD prüft, welche Stolperfallen dich ausbremsen können und was 2026 neu ist. Damit gehst du vorbereitet in den Prozess.
Wenn du dir Checklisten zu Bewerbungsverfahren, Besoldung, Verwendungen und Bundeswehr-Alltag dauerhaft auf dem Smartphone haben willst — die Soldatsein-App ist dein Begleiter vom ersten Tag bis zur Einplanung.
Bleib dran. Bleib vorbereitet. Wir sehen uns in der Truppe.
— Tobi H.