Anwartschaftsversicherung Soldat 2026: Warum jeder SaZ sie ab Tag 1 braucht

Der Feldwebel mit dem verheißenen Knie

Ein Kamerad aus meiner Einheit, Feldwebel, zwölf Jahre Dienstzeit, Kosovo-Einsatz hinter sich — das Knie nie wirklich verheilt. Meniskus, chronisch gereizt, notoperiert. Im Truppenarztsystem gut dokumentiert. Er hat sich keine großen Gedanken gemacht: Die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV) deckte alles ab, Jahr für Jahr, ohne Eigenanteil, ohne Papierkram.

Dann kam das Dienstzeitende. Die utV endete am letzten Tag des Dienstverhältnisses — kein Übergang, keine Kulanzfrist, kein Auffangnetz. Er hatte keine Anwartschaftsversicherung abgeschlossen. Drei private Krankenversicherer lehnten ihn wegen der Knievorgeschichte ab. Der vierte akzeptierte ihn mit einem erheblichen Risikozuschlag. Am Ende landete er in der gesetzlichen Krankenversicherung — mit Beiträgen, die auf seine Übergangsgebührnisse berechnet wurden. Kein Chefarzt. Kein Einzelzimmer. Keine freie Arztwahl.

Für einen Soldaten, der der Bundeswehr zwölf Jahre lang alles gegeben hat, ist das keine Kleinigkeit.

Ich habe diesen Fall nicht erfunden. Ich habe ihn in meinen 17 Jahren als Soldat mehrfach erlebt, in verschiedenen Varianten. Und ich schreibe diesen Artikel, weil niemand deiner Kameraden diesen Fehler machen sollte. Die Anwartschaftsversicherung kostet ab Tag 1 weniger als ein Kaffee pro Monat. Das Versäumen kann dich Jahre kosten.

utV: Schutz heute — und die Lücke, die an Tag 1 nach Dienstende entsteht

Die utV ist das medizinische Rückgrat des aktiven Soldatenlebens. Sie deckt alle Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Dienstfähigkeit: Truppenarztbesuche, Facharztzuweisungen, Operationen, Rehabilitation, Zahnbehandlung — alles ohne Eigenanteil. Während du in der Uniform stehst, bist du zu 100 Prozent abgesichert.

Aber die utV hat eine Eigenschaft, die viele Soldaten unterschätzen: Sie endet exakt mit dem letzten Tag des Dienstverhältnisses. Nicht nach einer Übergangsfrist von vier Wochen. Nicht nach drei Monaten. Am ersten Tag nach Dienstzeitende (DZE) besteht keine utV mehr — vollständig, sofort, unwiderruflich.

Ab diesem Moment gilt in Deutschland die allgemeine Versicherungspflicht. Du musst innerhalb von drei Monaten eine Krankenversicherung nachweisen — entweder durch freiwilligen GKV-Beitritt (§ 9 SGB V) oder durch Aktivierung einer bestehenden PKV-Anwartschaft. Tust du nichts, greift der sogenannte Auffangtatbestand nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V: Du wirst automatisch der letzten gesetzlichen Krankenversicherung zugeordnet, sofern du vor Dienstantritt GKV-versichert warst.

Kein Übergang, keine Schonfrist. Nur eine Entscheidung, die du spätestens jetzt treffen solltest.

Leo-Tipp: utV und deine Versicherungslücke schließen
Die utV schützt dich während der Dienstzeit vollständig — danach nicht mehr. Die Soldatsein-App zeigt dir im Bereich Finanzen, welche Schritte zur Absicherung nach DZE nötig sind. Umfassende Beratung zu PKV und Anwartschaft bekommst du auch bei vorsorgebund.de — einem Partner, der speziell für Soldaten und Beamte arbeitet. Mehr Finanz-Tools findest du unter soldatsein.app/#/finanzen.

Was eine Anwartschaftsversicherung wirklich ist

Eine Anwartschaftsversicherung ist kein Krankenversicherungsschutz. Sie ist ein Platzhalter-Vertrag.

Konkret: Du schließt den Vertrag zu einem Zeitpunkt ab, an dem du gesund bist — also am besten am Tag deines Dienstantritts. Der Versicherer „friert" deinen Gesundheitszustand zu diesem Zeitpunkt ein. Während der Anwartschaft besteht kein Leistungsanspruch gegenüber der PKV. Du zahlst einen kleinen monatlichen Beitrag. Dafür sicherst du dir das Recht, später in eine private Krankenversicherung einzutreten — ohne erneute Gesundheitsprüfung und ohne Risikozuschläge aufgrund von Erkrankungen, die nach Vertragsschluss eingetreten sind.

Was nach dem Dienst passiert, wenn du den Vertrag aktivierst: Der Versicherer behandelt dich so, als wärst du noch in dem Gesundheitszustand, den du bei Abschluss der Anwartschaft hattest. Die Knieprobleme aus dem Kosovo-Einsatz, der Rücken nach Jahren auf Übungsplätzen, die Schulter nach dem Sprungturm — nichts davon kann der Versicherer dir dann noch vorhalten.

Rechtlich ist die Anwartschaftsversicherung ein privatrechtlicher Vertrag nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen des jeweiligen Anbieters. Das Tarifwechselrecht nach § 204 VVG sichert dir zudem das Recht, innerhalb desselben PKV-Unternehmens den Tarif zu wechseln — unter Mitnahme der Altersrückstellungen, ohne neue Gesundheitsprüfung bei gleichwertigen Leistungen. Das setzt eine bestehende PKV-Mitgliedschaft voraus, die über die Anwartschaft aufrechterhalten wird.

Kurz: Wer eine Anwartschaft hat, öffnet sich eine Tür. Wer keine hat, muss sich diese Tür nach Dienstende neu erkaufen — zu deutlich schlechteren Konditionen oder gar nicht.

Kleine Anwartschaft vs. große Anwartschaft

Hier liegt die häufigste Verwechslung. Es gibt zwei grundlegend verschiedene Typen:

MerkmalKleine AnwartschaftGroße Anwartschaft
Beitrag während der Dienstzeitminimal (wenige Euro im Monat)höher (altersabhängig, da Rückstellungen gebildet werden)
Gesundheitsprüfung bei Aktivierungentfällt komplettentfällt komplett
Späterer PKV-Beitrag nach DZErichtet sich nach dem tatsächlichen Alter bei Aktivierungrichtet sich nach dem jüngeren Alter bei Vertragsabschluss
Altersrückstellungenneinja
EmpfehlungFWD, SaZ mit kürzerer bis mittlerer DienstzeitSaZ mit langer Dienstzeit, feste Absicht zum Berufssoldat

Kleine Anwartschaft: Sie sichert ausschließlich den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Der spätere PKV-Beitrag bei Aktivierung richtet sich nach deinem tatsächlichen Alter beim Dienstzeitende. Da die monatlichen Beiträge während der aktiven Zeit extrem gering sind (oft nur der Gegenwert eines Kaffees), ist dies das Standard-Instrument für fast jeden SaZ ab Tag 1.

Große Anwartschaft: Sie sichert beides — den Gesundheitszustand und das Eintrittsalter. Während der aktiven Dienstzeit werden bereits Altersrückstellungen gebildet. Wenn ein Soldat mit 22 Jahren eine Große Anwartschaft abschließt und mit 55 in Pension geht, wird sein Beitrag so berechnet, als wäre er noch 22. Der Unterschied im monatlichen Beitrag kann im Alter mehrere Hundert Euro ausmachen.

Ein Wechsel von der kleinen in die große Anwartschaft ist bei veränderten Karriereplänen (z. B. Übernahme zum Berufssoldaten) jederzeit ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich — vorausgesetzt, man hat den passenden, flexiblen Tarif gewählt.

Leo-Tipp: Keine Standard-Fallen wählen
Wer am Tag des Dienstantritts eine kleine Anwartschaft abschließt, sichert sich einen der wichtigsten Vorteile des Soldatenlebens. Doch Vorsicht vor den starren Standard-Tarifen am Markt: Viele Angebote von Massenversicherern sind unflexibel und passen nicht zu einer dynamischen Bundeswehr-Karriere. Eine unabhängige und speziell auf die Truppe ausgerichtete Beratung erhältst du beim Vorsorgebund. Die Experten dort filtern den Markt und sorgen dafür, dass du von Anfang an auf dem richtigen Gleis stehst.

Wer die Anwartschaft braucht: FWD, SaZ und Berufssoldat

Die Antwort lautet: alle — mit unterschiedlicher Dringlichkeit.

FWD (Freiwillig Wehrdienstleistende, 6–11 Monate)

Gesetzlich ist die Anwartschaft für FWD nicht vorgeschrieben. Faktisch empfehle ich sie trotzdem. Der entscheidende Grund liegt im Einsatzweiterverwendungsgesetz: Wenn ein FWD bei einem Auslandseinsatz einen Schaden erleidet, der zu einem Grad der Schädigung von mindestens 30 führt, kann eine Übernahme als Berufssoldat oder Beamter folgen — mit sofortiger PKV-Pflicht. Ohne Anwartschaft steht man dann ohne Absicherung da.

SaZ kurz (12–23 Monate)

Kleine Anwartschaft: dringend empfohlen. Die Pflegepflichtversicherung ist nach SGB XI gesetzlich Pflicht und muss separat nachgewiesen werden — den Nachweis über die Pflegepflichtversicherung brauchst du beim Dienstantritt. Nach DZE erhältst du als SaZ außerdem einen 50-prozentigen Beitragszuschuss des Bundesverwaltungsamts (BVA) zu einer GKV oder PKV während der Laufzeit deiner Übergangsgebührnisse (§ 11b SVG). Diese Entlastung macht die PKV-Option nach Dienstende deutlich attraktiver als viele denken — vorausgesetzt, du hast eine Anwartschaft.

SaZ ab 24 Monate

Kleine Anwartschaft: dringend empfohlen. Wer längere Dienstzeiten plant oder eine Weiterverwendung als Berufssoldat anstrebt, sollte frühzeitig prüfen, ob die große Anwartschaft sinnvoller ist. Wer 12 oder mehr Dienstjahre erreicht, bezieht Übergangsgebührnisse bis zu 60 Monate — ein langer Zeitraum, in dem eine gut abgeschlossene PKV erhebliche Vorteile bringt. Die Entscheidung für oder gegen die PKV nach DZE solltest du nicht dem Zufall überlassen. Der Besoldungsartikel 2026 gibt dir die Grundlage, um Beitragsvergleiche selbst durchzurechnen.

BS (Berufssoldat)

Große Anwartschaft: unverzichtbar. Bei Pensionierung gilt Beihilfeanspruch von 70 Prozent über das BVA. Die restlichen 30 Prozent müssen über eine private Restkostenversicherung abgedeckt werden. Ohne große Anwartschaft heißt das: Gesundheitsprüfung im Pensionsalter, oft jenseits der 50, mit den Gebrechen eines langen Berufslebens in der Truppe. Das kann teuer werden. Sehr teuer.

Kosten und Auswahl: Worauf es wirklich ankommt

Wer sich auf dem Markt nach einer Anwartschaft umschaut, stellt schnell fest: Die reine Kleine Anwartschaft kostet im Monat meist nicht mehr als wenige Euro. Sie ist finanziell für niemanden eine Belastung. Der Gesamtbeitrag steigt leicht an, wenn zusätzlich die gesetzlich vorgeschriebene private Pflegepflichtversicherung (PPV) über den gleichen Vertrag läuft — was für SaZ oft steuerlich und finanziell spürbare Vorteile bringt.

Viel wichtiger als der reine Cent-Betrag ist jedoch die Tarifqualität. Am Markt existieren zahlreiche Angebote, die zwar billig wirken, im Kleingedruckten aber erhebliche Nachteile verbergen (z. B. starre Fristen bei der Aktivierung, schlechte Optionen beim Wechsel in eine Große Anwartschaft oder unzureichende Restkostenabsicherungen für die spätere Beihilfe).

Statt blind das erstbeste Standard-Produkt abzuschließen, sollten Soldaten auf eine unabhängige Beratung setzen. Der Markt ist unübersichtlich, und viele pauschale „Kameraden-Angebote“ halten einer genauen Prüfung nicht stand.

Einen Überblick über dein Gesamtgehalt und wie es sich zur Beitragsberechnung verhält findest du im Artikel zu den Bundeswehr-Zulagen 2026. Erste Finanz-Tools für deine Planung findest du außerdem in der Soldatsein-App.

Leo-Tipp: Unabhängigkeit schlägt Massenware
Lass dir in den ersten Diensttagen keinen Knebelvertrag aufschwatzen. Nutze die Finanz-Tools in der Soldatsein-App für den ersten Überblick und wende dich für die konkrete Umsetzung an den Vorsorgebund. Als spezialisierter Partner für Soldaten und Beamte prüft der Vorsorgebund die Tarife auf Herz und Nieren, wirft den Schrott über Bord und findet die Absicherung, die exakt zu deiner Dienstzeitplanung passt.

Beihilfeanwartschaft für Berufssoldaten: PKV-Pflicht bei Pensionierung

Der Begriff „Beihilfeanwartschaft" kursiert in der Truppe, ist aber kein eigenständiges Produkt. Er beschreibt das, was ein Berufssoldat via großer Anwartschaft absichert.

Das System funktioniert so: Aktive Berufssoldaten sind über die utV versorgt. Bei Pensionierung endet die utV — aber gleichzeitig entsteht der Beihilfeanspruch. Der Bund übernimmt dann 70 Prozent der Krankheitskosten über das Bundesverwaltungsamt. Die restlichen 30 Prozent musst du selbst absichern — über eine private Restkostenversicherung.

Berufssoldaten sind von der GKV-Versicherungspflicht befreit — auch wenn sie nach der Pensionierung eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Das ist eine wichtige Besonderheit, die SaZ nicht haben.

Die große Anwartschaft sichert dir das Recht, bei Pensionierung genau in diese beihilfekonforme PKV-Restkostenversicherung einzutreten — ohne Gesundheitsprüfung und zum Eintrittsalter der Anwartschaft (nicht zum Pensionsalter). Wer mit 22 Jahren eine große Anwartschaft abschließt und mit 55 pensioniert wird, zahlt PKV-Beiträge auf Basis des Risikoprofils eines 22-Jährigen. Der Unterschied zu einem Neuabschluss mit 55 und all den Dienstjahren auf dem Körper ist erheblich.

Zusätzlich: Wer während der Dienstzeit als BS schon Altersrückstellungen aufgebaut hat, profitiert davon, dass diese im Rentenalter die steigenden PKV-Kosten abfedern. Wer keine hat, zahlt im Alter deutlich mehr.

Ablauf nach Dienstzeitende: Fristen und Schritte

Hier sind die kritischen Fristen, die du kennen musst — kein Interpretationsspielraum, keine Kulanz.

§ 9 SGB V: Freiwilliger Beitritt zur GKV ist innerhalb von 3 Monaten nach DZE möglich. Verpasst du diese Frist ohne anderweitigen Krankenversicherungsschutz, greift der Auffangtatbestand (§ 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V).

§ 5 SGB V: Die GKV-Versicherungspflicht gilt ab dem ersten Tag nach DZE für alle, die keine anderweitige Absicherung nachweisen.

§ 204 VVG: Tarifwechselrecht — ohne neue Gesundheitsprüfung bei gleichwertigen Leistungen, unter Mitnahme der Altersrückstellungen. Voraussetzung: bestehende PKV-Mitgliedschaft.

Anwartschaft — Umstellungsfrist: Die Anwartschaft endet automatisch mit Wegfall des Anwartschaftsgrundes (Ende des Dienstverhältnisses). Sie muss je nach Versicherer in der Regel innerhalb von ein bis zwei Monaten in eine Vollversicherung umgewandelt werden. Diese Frist ist kurz — bereite dich gemeinsam mit deinem unabhängigen Berater (z. B. Vorsorgebund) mindestens 6 bis 8 Wochen vor DZE darauf vor.

BVA-Zuschuss nach § 11b SVG: SaZ erhalten während des Bezugs von Übergangsgebührnissen einen 50-prozentigen Beitragszuschuss zu GKV oder PKV. Den Antrag stellst du beim Bundesverwaltungsamt. Wer das vergisst, lässt bares Geld liegen.

Schritt-für-Schritt-Ablauf für SaZ:

  1. Spätestens 3 Monate vor DZE: Anwartschaft prüfen, Beratungsgespräch vereinbaren
  2. 6–8 Wochen vor DZE: PKV informieren, Aktivierung vorbereiten
  3. Ab DZE: Anwartschaft in Vollversicherung umwandeln (Frist: 2 Monate)
  4. BVA kontaktieren: Beitragszuschuss nach § 11b SVG beantragen
  5. GKV-Alternative prüfen falls PKV nicht gewünscht: freiwilliger Beitritt innerhalb 3 Monate (§ 9 SGB V)

Die steuerliche Absetzbarkeit der PKV-Beiträge als Sonderausgaben (§ 10 EStG) behandelt der Steuererklärungs-Artikel ausführlich.

Häufige Fehler aus 17 Jahren Truppe

Ich liste sie ohne Umschweife.

Fehler 1: Die Anwartschaft zu spät abschließen Wer erst im dritten oder vierten Dienstjahr damit anfängt, hat möglicherweise bereits Erkrankungen gesammelt, die der Versicherer kennen und bewerten will. Jeder Monat Wartezeit ist ein Monat, in dem der Gesundheitszustand schlechter werden kann. Ab Tag 1 — kein Kompromiss.

Als ich in meiner frühen Dienstzeit bei der Bundeswehr war, hat mir niemand erklärt, was eine Anwartschaft ist. Ich dachte, die utV deckt alles ab. Erst Jahre später, bei einem Beratungsgespräch zur Versorgungsplanung, wurde mir klar, was mich dieser Gedanke hätte kosten können. Ich hatte Glück. Nicht jeder hat es.

Fehler 2: Beim Statuswechsel SaZ → BS nicht auf große Anwartschaft umstellen Wer als SaZ mit kleiner Anwartschaft begonnen hat und zum Berufssoldat ernannt wird, muss nur einen Antrag stellen — kein Arzttermin, kein Fragebogen, kein Risiko. Wer das verpasst und ohne große Anwartschaft zur Pensionierung kommt, zahlt jahrelang mehr.

Fehler 3: Die 2-Monats-Frist nach DZE verpassen Die Anwartschaft aktiviert sich nicht automatisch. Du musst aktiv werden — und die Frist ist kurz. Wer das Dienstzeitende im Trubel der Entlassung, der Heimfahrt und der ersten zivilen Wochen vergisst, kann seinen Anwartschaftsanspruch verlieren.

Fehler 4: Die Pflegepflichtversicherung vergessen Die PPV ist gesetzlich Pflicht. Ohne Nachweis über die Pflegepflichtversicherung ist der Versicherungsschutz unvollständig. Das gilt ab Dienstantritt.

Fehler 5: Über Trennungsgeld und Übergangsgebührnisse keine Gedanken machen GKV-Beiträge nach DZE werden auf Basis der Übergangsgebührnisse berechnet — das entspricht 75 Prozent des letzten Bruttosolds. Das kann teuer werden. Wer das im Vergleich zur PKV-Option nicht durchrechnet, verschenkt Geld. Mehr dazu im Artikel zum Trennungsgeld Bundeswehr.

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Alle wichtigen Fristen zur Anwartschaft, Versicherungs-Tools und Finanz-Informationen für aktive Soldaten.

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Ausnahmen und Sonderfälle

Zwei Sonderfälle verdienen eine eigene Erwähnung.

Einsatzweiterverwendungsgesetz Wenn ein Soldat — auch ein FWD — bei einem Auslandseinsatz einen Gesundheitsschaden erleidet, der zu einem Grad der Schädigung (GdS) von mindestens 30 führt, kann eine Übernahme als Berufssoldat oder Beamter erfolgen. Das Einsatzweiterverwendungsgesetz greift hier als rechtliche Grundlage. In diesem Fall entsteht sofort eine PKV-Pflicht. Wer ohne Anwartschaft in diesen Fall gerät, steht vor einer Gesundheitsprüfung mit einem durch den Einsatz beschädigten Körper. Das Ergebnis ist vorhersehbar.

PKV-Pflicht bei Verbeamtung Wer nach der Bundeswehr in den zivilen Öffentlichen Dienst als Beamter übernommen wird, erhält Beihilfeansprüche und PKV-Pflicht — unabhängig vom vorherigen Bundeswehr-Status. Auch hier schützt eine Anwartschaft vor einer Gesundheitsprüfung zu einem späteren Zeitpunkt.

GKV-Anwartschaft als Alternative Für SaZ, die zuvor GKV-versichert waren und nach DZE in die GKV zurückkehren wollen, ist eine GKV-Anwartschaft ebenfalls möglich — die bestehende GKV-Mitgliedschaft ruht während des Wehrdienstes nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 SGB V als Anwartschaft fort. Diese Anwartschaft muss jedoch innerhalb von 3 Monaten nach Diensteintritt bei der Krankenkasse beantragt bzw. gemeldet werden. Die ruhenden Zeiten werden als Vorversicherungszeiten bei der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) angerechnet.

So schließt du die Anwartschaft ab: 5 Schritte

Kein langes Vorgeplänkel. Fünf Schritte, die funktionieren.

Schritt 1: Statusanalyse Kläre deinen Laufbahntyp: FWD, SaZ kurz, SaZ lang oder Berufssoldat. Davon hängt ab, ob kleine oder große Anwartschaft sinnvoll ist. Wenn du noch SaZ bist, aber eine BS-Ernennung anstrebst: sofort große Anwartschaft prüfen.

Schritt 2: Unabhängig vergleichen Statt blind eine Standard-Police zu unterschreiben, lass dir den Markt sauber filtern. Eine auf Soldaten spezialisierte, unabhängige Beratung bekommst du beim Vorsorgebund — dort werden Tarife auf Flexibilität, Aktivierungsfristen und Restkostenoptionen für die spätere Beihilfe geprüft.

Schritt 3: Tarif auf Dienstzeit anpassen Achte gemeinsam mit deinem Berater darauf, dass der Tarif zu deiner Karriereplanung passt: flexibler Wechsel klein → groß, klare Aktivierungsfristen, ordentliche Beihilfe-Restkostenoption für den Fall BS. Lieber 10 Minuten mehr im Gespräch als 10 Jahre falsche Police.

Schritt 4: Vertrag abschließen und Nachweis abheften Schließe den Vertrag ab. Behalte die Vertragsunterlagen griffbereit — nicht in einer Schachtel im Keller. Den Nachweis über die Pflegepflichtversicherung brauchst du beim Dienstantritt.

Schritt 5: Statuswechsel überwachen Wer SaZ ist und zum BS ernannt wird: sofort Anbieter kontaktieren und auf große Anwartschaft umstellen. Ohne erneute Gesundheitsprüfung, ohne Mehraufwand.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Heilfürsorge ist der Begriff bei der Bundespolizei. Soldaten der Bundeswehr erhalten die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV). Leistungsumfang ähnlich, aber rechtlich und administrativ verschieden. Im Kontext der Bundeswehr gilt ausschließlich der Begriff utV.

Gesetzlich nicht vorgeschrieben — aber dringend ratsam. Besonders durch das Einsatzweiterverwendungsgesetz: Sollte es im Einsatz zu einer schweren Verletzung (GdS ≥ 30) und einer anschließenden Übernahme als BS oder Beamter kommen, greift sofort die PKV-Pflicht. Ohne Anwartschaft wird die Gesundheitsprüfung dann zum unbezahlbaren Hindernis.

Du musst nach DZE eine vollständige Gesundheitsprüfung absolvieren. Wehrdienstbeschädigungen und Erkrankungen aus der Dienstzeit zählen als Vorerkrankungen. Mögliche Folgen: Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse, im schlimmsten Fall Ablehnung durch alle PKV-Anbieter. Dann bleibt nur die GKV oder der PKV-Basistarif.

Ja — innerhalb von 3 Monaten nach DZE als freiwilliges Mitglied (§ 9 SGB V). Seit 01.01.2019 ist das für alle SaZ möglich, unabhängig von der Vorversicherungszeit. Beitrag basiert auf den Übergangsgebührnissen (75 Prozent des letzten Bruttosolds), was je nach Besoldungsgruppe erheblich sein kann.

Eine Kleine Anwartschaft ist für wenige Euro im Monat zu haben. In Kombination mit der Pflegepflichtversicherung verändern sich die Kosten leicht, oft ist diese Kombination für junge SaZ aber sogar günstiger als die Beiträge in der gesetzlichen Kasse. Unabhängige Vergleiche über den Vorsorgebund zeigen hier schnell das Einsparpotenzial.

Ja, jederzeit — ohne erneute Gesundheitsprüfung. Der Wechsel ist besonders bei Ernennung zum Berufssoldat sinnvoll. Je früher der Wechsel, desto günstiger die Altersrückstellungen für die spätere PKV-Aktivierung.

Je nach Vertragsbedingungen der Versicherer meist ein bis zwei Monate nach dem Wegfall des Anwartschaftsgrundes (also dem Ende der utV). Wer diese Frist verschläft, verliert sein Recht auf den eingefrorenen Gesundheitszustand. Parallel gilt die 3-Monats-Frist für den freiwilligen GKV-Beitritt nach § 9 SGB V. Bereite die Aktivierung daher immer mindestens 6 bis 8 Wochen vor deinem DZE gemeinsam mit den Experten des Vorsorgebundes vor.

Quellen & Rechtsgrundlagen

R
Robert K. verifiziert
Leutnant d.R., 17 Jahre Bundeswehr, Kosovo-Einsatz, Jägertruppe. Robert schreibt bei Soldatsein über Versorgung, Finanzen und alles, was nach dem Dienst wichtig wird — aus eigener Erfahrung.