Steuererklärung Soldat 2026: Tausende Euro, die du verschenkst


Der Kamerad, der aufgehört hat zu rechnen

Hauptmann Klotz war in allem präzise. Lageberichte: tadellos. Einweisungsbefehle: klar und vollständig. Steuererklärung: seit vier Jahren nicht eingereicht.

Ich habe ihn 2022 in der Stammkaserne kennengelernt, ein paar Monate nachdem er versetzt worden war. Er wohnte unter der Woche in einer kleinen Wohnung am Dienstort, fuhr freitagabends heim zur Familie, kam montags wieder. Pendeln, Trennungsgeld, Versetzung — der klassische Bundeswehr-Rhythmus. Aber steuerlich: Schweigen. Er hatte irgendwann aufgehört, den Überblick zu behalten. Die Belege lagen in einer Schachtel im Flur. „Ich mach das mal." Das „Mal" kam vier Jahre lang nicht.

Als er sich dann doch einen Steuerberater nahm, kam heraus: Er hatte über den gesamten Zeitraum mehr als 3.000 Euro an Erstattungen liegengelassen. Fahrtkosten, doppelte Haushaltsführung, Umzugspauschale — alles da, nichts beantragt.

Ich sage das nicht, um Klotz vorzuführen. Ich sage es, weil ich im Laufe meiner Dienstzeit als Personaloffizier d. Reserve immer wieder dasselbe Muster gesehen habe. Soldaten, die im Dienst hochkonzentriert arbeiten und privat Tausende Euro verschenken, weil die Steuererklärung zu komplex wirkt oder nie Priorität hatte.

Das hier ist kein Steuerberater-Ersatz. Das hier ist ein Lagebericht: Was gibt es, was kostet es dich, wenn du es lässt, wie packst du es an.


Inhaltsverzeichnis

  1. Bist du überhaupt zur Steuererklärung verpflichtet?
  2. Werbungskostenpauschale: Die 1.230-Euro-Schwelle
  3. Entfernungspauschale 2026: Was die 38-Cent-Reform bedeutet
  4. Erste Tätigkeitsstätte vs. Auswärtstätigkeit
  5. Auswärtstätigkeit: Fahrtkosten, VPM und was du wirklich abrechnen kannst
  6. Doppelte Haushaltsführung: Der Versetzungs-Hebel
  7. Trennungsgeld richtig angeben
  8. Umzugskostenpauschale 2026: 964 € und mehr
  9. Arbeitsmittel & Berufskleidung
  10. Versicherungen & Verbandsbeiträge: Der DBwV-Tipp 2026
  11. Beispielrechnung: SaZ-12 mit Pendelfall vs. Doppelte Haushaltsführung
  12. Häufige Fehler von Soldaten
  13. FAQ
  14. Quellen & Rechtsgrundlagen

1. Bist du überhaupt zur Steuererklärung verpflichtet?

Die kurze Antwort: Meistens nicht. Meistens lohnt es sich trotzdem.

Soldaten unterliegen dem normalen Einkommensteuerrecht. Dein Lohn wird über die Besoldungsstelle abgerechnet und die Lohnsteuer direkt abgeführt — du bist Arbeitnehmer im steuerlichen Sinne. Eine Pflicht zur Steuererklärung besteht erst, wenn:

Wenn nichts davon zutrifft: Du musst nicht. Aber du kannst. Und genau hier liegt das Geld.

Die meisten Soldaten bekommen bei freiwilliger Abgabe Geld zurück, weil der Lohnsteuerabzug pauschalisiert ist und individuelle Werbungskosten nicht berücksichtigt. Die Abgabefrist für freiwillige Erklärungen beträgt vier Jahre (also 2026 noch für das Steuerjahr 2022). Für das Steuerjahr 2025 ist die Abgabefrist 31. Juli 2026, mit Steuerberater 31. März 2027.

Leo-Tipp: Wenn du nicht weißt, ob du Geld zurückbekommst — mach eine Proberechnung. ELSTER ist kostenlos. Wer mehr als 200 km vom Dienstort entfernt wohnt oder versetzt wurde, ist fast immer im Plus.

2. Werbungskostenpauschale: Die 1.230-Euro-Schwelle

Das Finanzamt gewährt jedem Arbeitnehmer automatisch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro (§ 9a EStG), ohne dass du einen einzigen Beleg einreichen musst. Das passiert im Hintergrund, du musst nichts beantragen.

Was bedeutet das für dich? Wenn deine tatsächlichen beruflichen Ausgaben unter 1.230 Euro liegen, bringt eine Einzelaufstellung nichts — der Pauschbetrag ist bereits höher. Erst wenn du nachweisbar mehr als 1.230 Euro an Werbungskosten hattest, lohnt sich die Aufstellung.

Bei einem Soldaten mit regelmäßigem Pendelweg, Versetzung oder Lehrgang ist diese Schwelle in den meisten Fällen schnell überschritten. Ein einziger Umzug übersteigt sie oft schon.

Was zählt zu den Werbungskosten?

Werbungskosten sind beruflich veranlasste Ausgaben zur Erzielung deines Einkommens. Für Soldaten relevant:

Der entscheidende Punkt: Sobald du einen dieser Posten hast, addiere alle anderen dazu. Die Summierung ist der Hebel.


3. Entfernungspauschale 2026: Was die 38-Cent-Reform bedeutet

Hier gibt es eine relevante Änderung für das Steuerjahr 2026.

Bis einschließlich 2025 galt: 30 Cent für die ersten 20 Kilometer, 38 Cent ab Kilometer 21. Ab dem Steuerjahr 2026 gilt einheitlich 38 Cent ab Kilometer 1 — geregelt durch das Steueränderungsgesetz 2025, das am 23. Dezember 2025 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde.

Konkret: Wer 30 km einfache Strecke zur Stammkaserne pendelt, kann pro Arbeitstag 11,40 Euro ansetzen (30 km × 0,38 €). Bei 220 Arbeitstagen ergibt das 2.508 Euro allein für die Entfernungspauschale — deutlich über der Werbungskosten-Pauschale von 1.230 Euro.

Was du über die Entfernungspauschale wissen musst

Zähle deine tatsächlichen Arbeitstage an der Stammkaserne. Lehrgangszeiten, TDY und Einsatz fallen heraus — dort greifen andere Regeln.


4. Erste Tätigkeitsstätte vs. Auswärtstätigkeit

Diese Unterscheidung ist für Soldaten zentral — und wird häufig falsch gemacht.

Die erste Tätigkeitsstätte

Deine erste Tätigkeitsstätte ist steuerlich dein Stammtruppenstandort — also die Kaserne oder der Fliegerhorst, denen du dauerhaft zugeordnet bist. Dorthin fährst du täglich, dafür gilt die Entfernungspauschale.

Auswärtstätigkeit — was ist das?

Auswärtstätigkeit liegt vor, wenn du vorübergehend außerhalb deiner ersten Tätigkeitsstätte tätig bist. Bei Soldaten: Lehrgänge, Übungsplatzaufenthalte, Erkundungen, Abordnungen, Kommandierungen an anderen Standorten.

Die entscheidende Grenze: Dauert die Tätigkeit an einem anderen Ort voraussichtlich weniger als 48 Monate, gilt sie als Auswärtstätigkeit. Das hat weitreichende Folgen:

Das bedeutet für Versetzungen: Wer an einen neuen Standort versetzt wird und dort weniger als 48 Monate Dienst tut, kann die gesamte Zeit als Auswärtstätigkeit behandeln — was in der Regel günstiger ist als doppelte Haushaltsführung. Erst ab dem 5. Jahr wechselt die Kategorie.

Leo-Tipp: Heb die Einplanungsentscheidung deines Karrierecenters auf. Der BFH hat entschieden, dass dieser Nachweis für die Beurteilung der ersten Tätigkeitsstätte relevant ist. Im Zweifel brauchst du dieses Papier.

5. Auswärtstätigkeit: Fahrtkosten, VPM und was du wirklich abrechnen kannst

Bei Auswärtstätigkeit gilt eine andere Logik als beim täglichen Pendeln. Hier kannst du mehr ansetzen.

Fahrtkosten

Tatsächliche Kosten oder 30 Cent je gefahrenem Kilometer (nicht einfache Strecke — Hin- und Rückfahrt). Wenn du also 80 km zum Ausbildungsstandort fährst und 80 km zurück: 160 km × 0,30 € = 48 Euro pro Fahrt.

Nutzt du Bahn, Bus oder Mitfahrgelegenheit: die tatsächlichen Kosten.

Verpflegungsmehraufwand (VPM)

Für Abwesenheiten von der Wohnung gelten Pauschalen:

Wichtig: Seit 2024 gilt der Satz von 28 Euro (nicht mehr 24 Euro). Höchstdauer: 3 Monate an derselben Auswärtstätigkeitsstätte — danach entfällt VPM.

Was abzuziehen ist

Hier machen die meisten Fehler: Erstattungen der Bundeswehr — also Trennungsgeld, Fahrkostenvergütung — müssen von den Werbungskosten abgezogen werden, soweit sie steuerfrei sind. Nur der nicht erstattete Teil ist absetzbar. Dazu mehr im Abschnitt Trennungsgeld.


6. Doppelte Haushaltsführung: Der Versetzungs-Hebel

Die doppelte Haushaltsführung (§ 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 EStG) ist für viele Soldaten der größte Einzelposten in der Steuererklärung — und gleichzeitig der am häufigsten falsch gemachte.

Voraussetzungen

Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:

  1. Du unterhältst einen eigenen Hausstand am Lebensmittelpunkt (nicht Stube in der Kaserne — eine eigene Wohnung oder die Familienwohnung)
  2. Du hast eine Zweitwohnung am Dienstort
  3. Du beteiligst dich finanziell am Haupthausstand — mehr als 10 Prozent der laufenden Haushaltskosten

Ab wann gilt sie bei Soldaten?

Hier ist die Besonderheit: Eine Versetzung gilt die ersten 48 Monate als Auswärtstätigkeit (siehe oben). Doppelte Haushaltsführung greift erst, wenn die Tätigkeit an einem Ort absehbar dauerhaft oder länger als 48 Monate wird — also ab dem fünften Jahr oder bei einer ausdrücklich dauerhaften Stationierung.

Vor dem 5. Jahr: Auswärtstätigkeit. Ab dem 5. Jahr: doppelte Haushaltsführung. Oft ist Auswärtstätigkeit im ersten Zeitraum günstiger, weil der VPM die ersten 3 Monate voll greift.

Was absetzbar ist

Meldepflicht und Nachweise

Die finanzielle Beteiligung am Haupthausstand ist der häufig vergessene Nachweis. Überweisungen an die gemeinsame Kasse, Haushaltskostenteilung, Mietanteil — das muss dokumentiert sein.

Wer in einer Bundeswehr-Kaserne mit Standortwechsel arbeitet und eine Familie am Heimatort hat, sollte die doppelte Haushaltsführung konsequent prüfen.

Leo-Tipp: Doppelte HHF und Auswärtstätigkeit schließen sich gegenseitig aus — du kannst nur eines davon für denselben Zeitraum geltend machen. Vor dem 5. Jahr ist Auswärtstätigkeit fast immer günstiger (VPM, 30c Hin- und Rückfahrt). Rechne beides durch, bevor du dich entscheidest.

7. Trennungsgeld richtig angeben

Das Trennungsgeld ist steuerlich das komplizierteste Thema — und das mit den meisten Fehlern in der Praxis.

Wie Trennungsgeld steuerlich behandelt wird

Die ersten 3 Monate sind steuerfrei (§ 3 TGV). Danach wird das Tagegeld (der Verpflegungsanteil des Trennungsgelds) steuerpflichtig und auf dein Gehalt aufgerechnet — du siehst es auf deiner Lohnsteuerbescheinigung.

Erstattungen für Übernachtungskosten und Fahrtkosten bleiben auch nach den 3 Monaten steuerfrei.

Die § 3c-EStG-Regel — der häufigste Fehler

§ 3c EStG: Steuerfreie Einnahmen dürfen nicht noch einmal als Werbungskosten abgezogen werden. Das bedeutet: Wenn die Bundeswehr deine Fahrtkosten steuerfrei erstattet hat (Trennungsreise, Trennungsfahrt), kannst du dieselben Kosten nicht zusätzlich als Werbungskosten ansetzen.

Nur was nicht erstattet wurde, ist absetzbar. Nur was bereits versteuert wurde (steuerpflichtiger Trennungsgeld-Anteil nach Monat 3), muss nicht abgezogen werden.

Konsequenz: Die Bundeswehr-Bescheinigung über Trennungsgeld ist ein Pflichtdokument für deine Steuererklärung. Ohne sie kannst du nicht sauber rechnen.

Was du brauchst

Details zur Berechnung findest du im Detailartikel zu Trennungsgeld Bundeswehr.


8. Umzugskostenpauschale 2026: 964 € und mehr

Bei jedem berufsbedingten Umzug steht dir die Umzugskostenpauschale nach § 10 BUKG zu. Die aktuellen Werte (gültig seit 01.03.2024, bestätigt im BMF Anhang 29 IV LStH 2026):

Kategorie Pauschale
Berechtigte (der Soldat selbst) 964 €
Weitere umziehende Person (Ehegatte, Kinder) 643 € je Person
Ledige ohne Wohnung am Tag vor dem Umzug 193 €

Vorsicht: Ältere Sekundärquellen nennen andere Werte (952/1.905 oder 886/590 Euro). Diese sind veraltet. Die korrekten Werte sind 964/643/193 Euro.

Zusätzliche tatsächliche Kosten

Die Pauschale deckt nicht alles ab. Zusätzlich absetzbar — mit Beleg:

Voraussetzung

Der Umzug muss berufsbedingt sein — Versetzung, neue Stammkaserne, oder: der Arbeitsweg verkürzt sich durch den Umzug um mehr als eine Stunde (Hin- und Rückweg zusammen). Bei Versetzungen von Soldaten ist die Beruflichkeit in der Regel unproblematisch belegbar.

Wer wissen will, wie sich Standortwechsel auf Besoldung und Zulagen auswirken, findet mehr in den Artikeln zu Bundeswehr-Standorten und Bundeswehr-Zulagen 2026.


9. Arbeitsmittel & Berufskleidung

Arbeitsmittel-Pauschale

Ohne Belege kannst du 110 Euro pauschal für Arbeitsmittel ansetzen. Wer tatsächlich mehr ausgegeben hat, muss Belege vorlegen.

Für Soldaten typische Arbeitsmittel:

Was nicht absetzbar ist: Alles, was die Bundeswehr stellt — Uniform, eToken, Truppenausweis. Wer eigene Uniformteile kauft, weil sie nicht gestellt werden oder für Sonderverwendungen nötig sind, kann den Kaufpreis angeben.

Berufskleidung und Reinigung

Die Uniform zählt steuerlich als Berufskleidung. Wenn du sie privat wäschst, kannst du die Reinigungskosten ansetzen:

Die Anschaffungskosten der Uniform selbst sind nicht absetzbar, weil sie gestellt wird.

Telefon und Internet

Pauschal: 20 Prozent der Kosten, höchstens 20 Euro pro Monat — also maximal 240 Euro pro Jahr. Das gilt für den beruflichen Nutzungsanteil deines privaten Anschlusses. Alternativ: Nachweis über einen 3-Monats-Durchschnitt, den du auf das ganze Jahr hochrechnest.

Homeoffice-Pauschale

6 Euro je Homeoffice-Tag, maximal 1.260 Euro pro Jahr (entspricht 210 Tagen). Für die meisten Soldaten in der Truppe ist das kaum relevant — in Stabsfunktionen oder bei Tätigkeit im Lagezentrum kann es zutreffen. Voraussetzung: Der Tag muss überwiegend im Homeoffice verbracht werden.


10. Versicherungen & Verbandsbeiträge: Der DBwV-Tipp 2026

DBwV-Beitrag ab 2026

Gewerkschaftsbeiträge und Berufsverbandsbeiträge waren bereits bisher als Werbungskosten absetzbar — aber sie zählten auf die 1.230-Euro-Pauschale an. Ab dem Steuerjahr 2026 gilt durch das Steueränderungsgesetz 2025: Gewerkschaftsbeiträge sind zusätzlich zur Werbungskosten-Pauschale absetzbar.

Für DBwV-Mitglieder bedeutet das: Der Jahresbeitrag (je nach Mitgliedsstatus ca. 80–200 Euro) kommt oben drauf — unabhängig davon, ob du die 1.230-Euro-Schwelle sonst erreichst oder nicht.

Das klingt klein, hat aber Signalwirkung: Es ist das erste Mal seit Jahren, dass eine echte Verbesserung für Arbeitnehmer im Steuerrecht ohne Gegenfinanzierung umgesetzt wurde.

Berufshaftpflicht

Für Sanitätsoffiziere, Militärjuristen und andere Berufsgruppen mit entsprechender Haftung: die Berufshaftpflichtversicherung ist als Werbungskosten absetzbar.

Private Rentenversicherung, Krankenversicherung

Diese gehören in die Vorsorgeaufwendungen (Sonderausgaben), nicht in die Werbungskosten — anderer Bereich der Steuererklärung, aber nicht vergessen.

Wer Fragen zur Besoldungsstruktur hat, sollte auch den Artikel zur Besoldungsreform Bundeswehr 2025/2026 lesen — Änderungen dort wirken sich auf die steuerliche Ausgangsbasis aus.


11. Beispielrechnung: SaZ-12 mit Pendelfall vs. Doppelte Haushaltsführung

Zwei realistische Szenarien für das Steuerjahr 2026.

Szenario A: SaZ-12, Pendler, keine Versetzung

Entfernungspauschale: 45 km × 0,38 € × 210 Tage = 3.591 €

Arbeitsmittel-Pauschale: 110 €

Telefon/Internet: 240 €

DBwV-Beitrag (ab 2026 zusätzlich): 96 €

Werbungskosten gesamt: 3.591 + 110 + 240 + 96 = 4.037 €

Arbeitnehmer-Pauschbetrag: 1.230 € (wird automatisch berücksichtigt)

Mehrbetrag über Pauschale: 4.037 − 1.230 = 2.807 € zusätzlich absetzbar

Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent: ca. 700 Euro Steuererstattung — nur durch Pendeln.


Szenario B: SaZ-12, nach 5 Jahren versetzt, doppelte Haushaltsführung

Zweitwohnungskosten: 800 €/Monat × 12 = 9.600 € (unter dem 1.000-€-Deckel pro Monat, also voll absetzbar)

Familienheimfahrten: 220 km × 0,38 € × 44 Fahrten = 3.678 €

Umzugspauschale: 964 € (berechtigte Person) + 643 € (Ehegatte) = 1.607 €

Tatsächliche Umzugskosten zusätzlich: 1.800 € (Spedition, soweit nicht erstattet)

Arbeitsmittel + Telefon + DBwV: 446 €

Werbungskosten gesamt: 9.600 + 3.678 + 1.607 + 1.800 + 446 = 17.131 €

Mehrbetrag über Pauschale: 17.131 − 1.230 = 15.901 € absetzbar

Bei Grenzsteuersatz 30 Prozent: ca. 4.770 Euro Erstattung.

Das ist der Fall Klotz. Das ist das Geld, das in der Schachtel im Flur lag.


12. Häufige Fehler von Soldaten

Diese Fehler sehe ich regelmäßig — und sie sind alle vermeidbar.

Fehler 1: Trennungsgeld nicht von Werbungskosten abziehen Die häufigste Verwechslung. Steuerfreie Erstattungen der Bundeswehr müssen von den eigenen Werbungskosten abgezogen werden. Wer das ignoriert, riskiert Steuernachzahlungen.

Fehler 2: Entfernungspauschale trotz eToken nicht ansetzen Auch wer kostenlos mit der Bahn fährt, kann die Entfernungspauschale ansetzen. Die Pauschale ist verkehrsmittelunabhängig.

Fehler 3: Doppelte HHF vor Ablauf der 48 Monate beantragen Vor dem fünften Jahr ist Auswärtstätigkeit steuerlich die richtige Kategorie. Wer vorher doppelte HHF beantragt, verschenkt Monate an VPM und günstigere Fahrtkosten-Abrechnung.

Fehler 4: Veraltete Umzugspauschalen verwenden Die aktuellen Werte sind 964/643/193 Euro (seit 01.03.2024). Ältere Tabellen im Internet zeigen andere Zahlen.

Fehler 5: Vier-Jahres-Frist vergessen Freiwillige Steuererklärungen können bis zu vier Jahre rückwirkend eingereicht werden. Wer 2026 zum ersten Mal aktiv wird, kann noch für 2022 einreichen.

Fehler 6: Keine Belege gesammelt Die Pauschalen funktionieren ohne Belege. Alles darüber hinaus — Spedition, tatsächliche Übernachtungskosten, Arbeitsmittel über 110 Euro — braucht Nachweise. Kontoauszüge, Quittungen, Buchungsbelege.

Fehler 7: VPM-Dreimonatsfrist ignorieren Nach drei Monaten an derselben Auswärtstätigkeitsstätte entfällt der VPM. Wer das nicht weiß und weiter ansetzt, provoziert Rückforderungen.

Wer seine Besoldung und Zulagen im Blick haben will, findet alle relevanten Grundlagen in den Artikeln zu Besoldung Bundeswehr 2026 und Bundeswehr-Zulagen 2026.


FAQ

Muss ich als Soldat eine Steuererklärung machen?

In der Regel nicht — es sei denn, du hast Nebeneinkünfte über 410 Euro, Lohnersatzleistungen oder mehrere Lohnquellen. Aber: Freiwillig lohnt es sich für die meisten Soldaten, weil Werbungskosten wie Fahrten, Versetzungen und Umzüge oft zu einer Erstattung führen.

Kann ich die Entfernungspauschale ansetzen, obwohl ich mit dem eToken fahre?

Ja. Die Entfernungspauschale ist verkehrsmittelunabhängig. Auch Freifahrten mit dem eToken schließen den Ansatz nicht aus.

Was ist der Unterschied zwischen Auswärtstätigkeit und doppelter Haushaltsführung?

Auswärtstätigkeit gilt bei vorübergehenden Tätigkeiten außerhalb der Stammkaserne — bis 48 Monate. Doppelte Haushaltsführung gilt ab dem 5. Jahr oder bei dauerhafter Stationierung mit zwei Wohnsitzen. Beide Kategorien haben unterschiedliche Abrechnungslogiken — rechne beide durch, bevor du dich entscheidest.

Wie lange kann ich Steuererklärungen rückwirkend einreichen?

Vier Jahre. Im Jahr 2026 kannst du noch für das Steuerjahr 2022 eine freiwillige Erklärung einreichen.

Muss ich das Trennungsgeld in der Steuererklärung angeben?

Ja. Der steuerpflichtige Anteil steht auf deiner Lohnsteuerbescheinigung und wird automatisch berücksichtigt. Wichtiger: Die steuerfreien Erstattungsanteile musst du von deinen Werbungskosten abziehen.

Ich wurde versetzt und hatte Umzugskosten. Was kann ich ansetzen?

Die Pauschale (964 € für dich selbst, 643 € je weitere umziehende Person) plus tatsächliche Kosten mit Belegen: Spedition, Makler, doppelte Miete bis 3 Monate, Fahrtkosten für Wohnungssuche. Voraussetzung: Der Umzug war berufsbedingt — bei Versetzungen der Bundeswehr in der Regel unproblematisch.

Lohnt sich ein Steuerberater für Soldaten?

Kommt auf die Komplexität an. Einfache Pendler mit stabilem Dienstverhältnis kommen mit ELSTER und etwas Sorgfalt klar. Wer Versetzung, Auslandseinsatz, doppelte Haushaltsführung und Trennungsgeld gleichzeitig hat, ist mit einem auf Bundeswehr spezialisierten Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein (z.B. VLH, Steuerring) gut beraten. Die Kosten sind selbst wieder absetzbar.


Quellen & Rechtsgrundlagen


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Alle Artikel die in diesem Text verlinkt sind:

Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Für komplexe Einzelfälle — insbesondere Auslandseinsatz, mehrfache Versetzungen im selben Jahr oder laufende Verfahren mit dem Finanzamt — empfiehlt sich ein auf Bundeswehr spezialisierter Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.


Robert K.
Leutnant d.R., 17 Jahre Bundeswehr, Personaloffizier d. Reserve

Steuererklärung erledigen — Geld zurückholen

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Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Für komplexe Einzelfälle empfiehlt sich ein auf Bundeswehr spezialisierter Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.

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— Robert K.