Jeder Soldat der Bundeswehr — ob frisch aus der Grundausbildung oder mit zwanzig Dienstjahren auf der Uhr — muss jedes Jahr vier Bereiche militärischer Grundfertigkeiten nachweisen. Kein Antrag, keine Ausnahme, keine stille Verschiebung. Die Zentralvorschrift A1-221/0-24 regelt das verbindlich. Was viele unterschätzen: Die IGF ist nicht die gleiche Sache wie der BFT, sie ist nicht bloß ein Jahressport-Termin, und sie ist kein bürokratisches Randthema. Wer beim Berufssoldatenantrag auf eine Lücke in den letzten fünf Jahren angesprochen wird, versteht meistens erst in diesem Moment, was auf dem Spiel stand. Dieser Artikel legt offen, was die Vorschrift wirklich fordert, was bei Nicht-Bestehen passiert, und wo die häufigsten Irrtümer liegen.
IGF im Überblick: Was die Vorschrift wirklich fordert
Die rechtliche Grundlage ist die Zentralvorschrift A1-221/0-24 „Ausbildung und Erhalt der Individuellen Grundfertigkeiten“, Version 1.3, in Kraft seit dem 30. Oktober 2019. Sie definiert bundeswehrgemeinsame Mindeststandards: Was geprüft wird, welche Zielbewertung gilt, und wie der Nachweis zu führen ist.
Die IGF sind keine freiwilligen Zusatzleistungen. Sie sind allgemeine militärische Fertigkeiten, die jeder Soldat ab der Grundausbildung erwerben und dienstzeitlang beherrschen muss. Die Vorschrift gilt einheitlich für alle Organisationsbereiche der Bundeswehr — Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst, Streitkräftebasis und CIR.
Die IGF-Überprüfung findet einmal pro Kalenderjahr statt. Jede Teilleistung — Schießen, ABC-Schutz, KLF inklusive BFT und Marsch sowie Schwimmen — ist für sich im Jahresrhythmus nachzuweisen. Die Verantwortung für Planung und Durchführung liegt beim Disziplinarvorgesetzten. Wer bis Dezember keinen Termin für das Wertungsschießen hatte, hat ein Problem — das lässt sich nicht durch eine Formularerlärung lösen.
Abgrenzung zur AVU-IGF: Die „Allgemeine Verwendungsfähigkeitsuntersuchung IGF“ (AVU-IGF) ist eine eigenständige sanitätsdienstliche Begutachtung, die prüft, ob ein Soldat gesundheitlich in der Lage ist, die IGF-Leistungen zu erbringen. Sie findet alle drei Jahre statt und ist nicht die IGF-Überprüfung selbst. Diese Verwechslung taucht immer wieder auf — beide Begriffe benennen unterschiedliche Verfahren.
Für beorderte Reservisten gilt ein angepasster Rhythmus: IGF-Nachweise sind alle zwei Jahre zu erbringen. Für Auslandsverwendungen muss der Nachweis innerhalb der letzten zwölf Monate vor Verwendungsbeginn vorliegen.
Die vier Säulen der IGF
Die IGF umfasst vier gleichgewichtige Pflichtbereiche:
| # | Säule | Nachweis | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Körperliche Leistungsfähigkeit (KLF) | BFT + Marsch + Schwimmen | 1× pro Kalenderjahr |
| 2 | Schießfertigkeit | Wertungsübung mit SollOrg-Waffe | 1× pro Kalenderjahr |
| 3 | Selbst- und Kameradenhilfe (EH-A) | Qualifikation Einsatzersthelfer A, Kompetenzerhalt | Qualifikation 24 Mon., Kompetenzerhalt jährlich |
| 4 | ABC-Selbstschutz | BAS 0–4 selbständig herstellen, Maskenanlegen ≤ 9 s | 1× pro Kalenderjahr |
Alle vier Bereiche müssen im Kalenderjahr nachgewiesen sein. Wer einen Bereich auslässt — aus welchem Grund auch immer — hat die IGF nicht vollständig erfüllt.
Säule 1: Körperliche Leistungsfähigkeit (KLF)
Die KLF ist eine von vier Säulen der IGF — nicht mehr und nicht weniger. Innerhalb der KLF gibt es drei Einzeltests: den BFT, den Marschtest und den Schwimmtest.
Basis-Fitness-Test (BFT)
Der Basis-Fitness-Test besteht aus drei Übungen:
- 11×10-m-Sprint — Pendelsprints über 10 Meter, elf Mal
- Klimmhang — Hängen an der Stange mit vorgebeugten Armen
- 1.000-m-Lauf — Distanzlauf auf Zeit
Die Mindestwerte für Stufe I (Bestehensgrenze):
| Übung | Stufe I (Bestehen) | Stufe II | Stufe III |
|---|---|---|---|
| 11×10-m-Sprint | ≤ 60 Sekunden | — | — |
| Klimmhang | ≥ 5 Sekunden | — | — |
| 1.000-m-Lauf | ≤ 6:30 min | — | — |
| Gesamtnote | „zufriedenstellend“ | „gut“ | „sehr gut“ |
Marschtest
Der Marschtest wird in Feldanzug mit mindestens 15 Kilogramm Gepäck absolviert:
- Stufe I: 6 km in 60 Minuten
- Stufe II: 9 km in 90 Minuten
- Stufe III: 12 km in 120 Minuten
Die Marschvorbereitung ist kein Hexenwerk — sie verlangt aber konsequentes Training über Wochen. Wer erst zwei Wochen vor dem Termin anfängt, hat für Stufe III keine realistischen Chancen.
Schwimmtest
Zwei Optionen stehen zur Wahl:
- 100 m Kleiderschwimmen in ≤ 4 Minuten mit anschließendem Entkleiden im Wasser
- 200 m Schwimmen in ≤ 7 Minuten
Für Angehörige der Marine gilt eine Sonderregelung: Der Marschtest kann durch 200 m Kleiderschwimmen in ≤ 8 Minuten ersetzt werden.
Säule 2: Schießausbildung
Einmal pro Kalenderjahr muss jeder Soldat eine Wertungsübung mit seiner SollOrg-Waffe ablegen und bestehen. Das Bestehen ist Pflicht — nicht das Teilnehmen.
Die aktuell gebräuchlichen Wertungsübungen:
- G-ES-7 (neues Konzept, Gewehr G36)
- G36-S-9 (älteres Konzept, ebenfalls G36)
- P-ES-6 (neues Konzept, Pistole P8)
- P-S-2 (älteres Konzept, Pistole P8)
Welches Konzept in der Einheit gilt, entscheidet der Organisationsbereich. Ohne zugewiesene SollOrg-Waffe legt der OrgBer fest, ob mit Gewehr oder Pistole geschossen wird.
Wertungsübung G36-S-9 — Trefferzahlen im Detail
Die G36-S-9 ist nach wie vor in vielen Verbänden die Standardwertungsübung. Sie wird von drei Schützen absolviert und erfordert 16 Patronen auf vier Distanzen (200 m / 150 m / 100 m / 80 m). Auf jeder Distanz wird auf zwei Ziele mit je vier Schüssen geschossen.
| Leistungsstufe | Trefferzahl (von 16) |
|---|---|
| Bronze (Bestehensgrenze) | 9–10 Treffer |
| Silber | 11–12 Treffer |
| Gold | ≥ 13 Treffer |
Bronze ist die Mindestanforderung. Wer weniger als 9 Treffer erzielt, hat die Wertungsübung nicht bestanden.
Wichtig: Vor dem Wertungsschießen ist eine vorbereitende Wiederholungsausbildung Pflicht. Sie muss durch qualifiziertes Personal geleitet werden. Wer direkt zur Wertungsübung erscheint ohne Wiederholungsausbildung, hat formal einen Verfahrensfehler in seiner Einheit — nicht bei sich. In der Praxis trägt der Schütze das Ergebnis.
Säule 3: Erste Hilfe (EH-A)
Die Qualifikation Einsatzersthelfer A (EH-A) ist die sanitätsdienstliche Pflichtqualifikation für jeden Soldaten — unabhängig von Dienstgrad, Truppengattung und Verwendung.
Erstausbildung: 30 Unterrichtsstunden
Die EH-A-Erstausbildung umfasst 30 Unterrichtsstunden über vier Tage. Inhalte sind unter anderem:
- Gefechtsfeld-Verletzungsmuster (Schuss, Splitter, Explosion, Verbrennung)
- Blutstillung: Druckverband, Emergency Bandage, QuikClot (gerinnungsunterstützend)
- Tourniquet-Anlage (Abbinden mittels CAT oder gleichwertigem Abbindegerät) als Notkompetenz
- Atemwegssicherung und Herzlungen-Wiederbelebung
- Schockversorgung und Lagerung
- ABC-Erste-Hilfe
- Morphin-Autoinjektor und Antibiotikum Ciprofloxacin
Das Ziel ist die handlungssichere Initialversorgung unter Gefechtsbedingungen bis zur Übergabe an Sanitätspersonal. Die EH-A ersetzt keine sanitätsdienstliche Ausbildung — sie gibt jedem Soldaten die Werkzeuge für die ersten entscheidenden Minuten.
Kompetenzerhalt im 4-Jahres-Zyklus
Die EH-A-Qualifikation ist nicht unbegrenzt gültig. Sie gilt bis zum 31. Dezember des Folgejahres nach der Ausbildung (für Nicht-Sanitätspersonal). Um die Gültigkeit zu erhalten, ist jährlich ein Kompetenzerhalt-Modul (je 8 Stunden) zu absolvieren. Es gibt vier Module (A–D), die im 4-Jahres-Zyklus durchlaufen werden.
Wer ein Modul verpasst: Es gibt eine Fristverlängerung von drei Monaten. Danach ist die Qualifikation erloschen und eine erneute 30-stündige Erstausbildung notwendig. Das ist kein administrativer Hinweis — das ist ein konkretes Risiko für Soldaten, die Lehrgänge oder Auslandsverwendungen haben und dadurch den Jahresmodul-Termin verpassen.
Wer das Tourniquet noch nie unter Zeitdruck angelegt hat, sollte das vor dem nächsten Kompetenzerhalt-Termin selbst üben. Es ist eine Notkompetenz — handlungssicher bedeutet nicht „ungefähr richtig“.
Säule 4: ABC-Selbstschutz
Der ABC-Selbstschutz prüft zwei Dinge: die Fähigkeit, die persönliche ABC-Schutzmaske korrekt in Maximalzeit aufzusetzen, und das selbständige Herstellen der bedrohungs- und auftragsangepassten Schutzzustände.
Die 9-Sekunden-Regel
Die ABC-Schutzmaske muss in maximal 9 Sekunden korrekt aufgesetzt und abgedichtet sein. Das ist kein sportlicher Richtwert — das ist die normierte Anforderung aus der A1-221/0-24. In der Praxis wird häufig auf eine Zielzeit von 7 Sekunden trainiert, um bei Alarm und Bewegung noch innerhalb der Norm zu liegen.
Wer die Maske selten in der Hand hat, braucht mehr als eine Übungseinheit, um wieder unter 9 Sekunden zu kommen. Der häufigste Fehler ist das Aufsetzen ohne vollständiges Abdichten — eine Maske, die sitzt aber leckt, schützt nicht.
BAS 0–4: Bedrohungs- und auftragsangepasste Schutzzustände
Es gibt fünf Schutzstufen (BAS 0 bis BAS 4) mit steigender ABC-Gefährdung. Je höher die BAS-Stufe, desto umfangreichere Schutzmaßnahmen sind zu treffen. Der Prüfungsnachweis verlangt das selbständige Herstellen aller Stufen in festgelegter Reihenfolge.
Zur persönlichen ABC-Schutzausstattung gehören:
- ABC-Schutzmaske
- Overgarment (Schutzanzug)
- Schutzhandschuhe
- Selbstschutzausstattung mit Atropin-Autoinjektoren
Die Grundlagenvorschrift ist die Zentralrichtlinie A2-257/1-0-11 (VS-NfD) „Basisbefähigung ABC-Abwehr“.
Wenn du nicht bestehst: Konsequenzen und Wiederholungen
Nicht-Bestehen hat zunächst keine automatisch ausgelöste Sanktion. Aber es hat Konsequenzen — die Frage ist nur, wann und wie stark sie sich zeigen.
Dokumentation in der Beurteilung
Der Disziplinarvorgesetzte ist verpflichtet, die Erfüllung der IGF in der Beurteilung zu dokumentieren. Nicht-Erfüllung wird damit schriftlich festgehalten — und Beurteilungen sind bei Personalauswahlentscheidungen das zentrale Dokument.
Beförderung und Personalauswahl
„Kann sich negativ auf förderliche Personalauswahlentscheidungen auswirken“ — das ist die offizielle Formulierung aus einer Bundestagsantwort zum Thema (Drucksache 20/14269). In der Praxis bedeutet das: Bei BS-Anträgen wird das IGF der letzten fünf Jahre geprüft. Wer eine oder mehrere Lücken hat, muss das bei der BS-Auswahlkonferenz erklären. Das ist kein günstiger Ausgangspunkt.
Für SaZ-Soldaten gilt: Mindestens die letzten zwei Jahre sollten lückenlos nachweisbar sein. Die Laufbahnen in der Bundeswehr unterscheiden sich in den konkreten Anforderungen — aber IGF-Lücken sind in keiner Laufbahn ein Vorteil.
Disziplinarische Konsequenzen
Ob und welche dienstrechtlichen Konsequenzen sich aus Nicht-Bestehen oder Nicht-Ablegen ergeben, liegt im Ermessen des Disziplinarvorgesetzten. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen vorsätzliches Nichtrfüllen zu Disziplinarverfahren geführt hat — bis hin zu Geldbußen. Schwere und Art der Konsequenz hängen von Vorgeschichte, Einzelfall und Vorgesetztem ab.
Wiederholung
Wer nicht besteht, kann wiederholen — das ist innerhalb des Kalenderjahres dienstlich zu organisieren. Ob ein zweiter Termin möglich ist, hängt von der Verfügbarkeit ab. Für das Wertungsschießen im Dezember gibt es selten noch einen dritten Anlauf. Für den Marschtest im November auch nicht.
Einsatzrelevanz
Wer für eine Auslandsverwendung eingeplant ist, muss die IGF innerhalb der letzten zwölf Monate vollständig nachgewiesen haben. Wer diesen Nachweis nicht hat, kann nicht in einen Einsatz. Das ist keine Formalität — das ist ein harter Ausschlussgrund.
IGF vs. BFT — der häufigste Irrtum
Dieser Irrtum ist weit verbreitet, auch unter erfahrenen Soldaten: IGF und BFT werden gleichgesetzt. Das ist falsch, und die Verwechslung hat praktische Konsequenzen.
Die korrekte Einordnung:
| Begriff | Einordnung | Inhalt |
|---|---|---|
| IGF (Individuelle Grundfertigkeiten) | Oberbegriff | KLF + Schießen + EH-A + ABC-Schutz |
| KLF (Körperliche Leistungsfähigkeit) | Teilmenge der IGF | BFT + Marsch + Schwimmen |
| BFT (Basis-Fitness-Test) | Teilmenge der KLF | 11×10-m-Sprint + Klimmhang + 1.000-m-Lauf |
Wer „BFT gemacht“ hat, hat einen von drei KLF-Tests absolviert. Wer alle drei KLF-Tests abgeschlossen hat, hat eine von vier IGF-Säulen erfüllt. IGF ist nicht BFT — wer das verwechselt, hat nach dem Jahresabschluss eine Lücke in der Akte.
Wichtige Zusätzunterscheidung für 2026: Der BFT als Eingangstest im Karrierecenter ist für FWD-Bewerber weggefallen. Im Auswahlverfahren müssen Bewerber der Laufbahn Soldat auf Zeit und Offizieranwärter (ACFüKrBw, Köln) weiterhin einen körperlichen Leistungstest absolvieren. Der BFT im Rahmen der IGF für aktive Soldaten — also die jährliche Pflichtüberprüfung — ist davon unberührt und unverändert gültig.
Vorbereitung auf die IGF: Was wirklich hilft
Die IGF ist keine Überraschungsprüfung. Termine werden dienstlich geplant, die Anforderungen sind bekannt, und die Mindeststandards sind seit Jahren stabil. Wer trotzdem mit einem Nicht-Bestehen nach Hause geht, hat meistens eines von zwei Problemen: entweder die falsche Priorisierung im Jahresverlauf oder fehlendes spezifisches Training.
Schießen: Wiederholungsausbildung ernst nehmen
Die vorbereitende Wiederholungsausbildung vor dem Wertungsschießen ist Pflicht — und sie erfüllt einen Zweck. Wer zwölf Monate nicht an der Waffe war, kommt nicht kalt ins Wertungsschießen und erzielt sofort Bronze. Die Körperhaltung, der Druckpunkt, die Distanzschätzung auf 200 Meter — das verblasst. Wer den Wiederholungstag nutzt, nicht nur physisch präsent ist, sondern aktiv die Entfernung kalibriert und die Schießfolge einübt, hat einen klaren Vorteil.
Wer bei der Einheit keinen ausreichenden Wiederholungsumfang bekommt: Eigeninitiative ist zulässig und wird von Vorgesetzten in aller Regel positiv bewertet. Auf einer Schießbahn Trockentraining zu machen kostet nichts und zahlt sich im Wertungsschießen aus.
EH-A: Kompetenzerhalt-Termin frühzeitig sichern
Der größte Risikofaktor beim EH-A-Nachweis ist nicht das Können — es ist der Terminkonflikt. Lehrgänge, Übungen, Auslandsverwendungen: Das Jahresmodul wird durch operative Belastung verdrängt. Das Problem ist, dass die Drei-Monats-Fristverlängerung schneller verstrichen ist als erwartet, und dann steht eine erneute 30-stündige Erstausbildung auf dem Programm.
Praktische Empfehlung: EH-A-Kompetenzerhalt-Termin zu Jahresbeginn melden, nicht im Herbst. Einheiten, die den Termin in die zweite Jahreshälfte schieben, erzeugen strukturell Risiken für Soldaten mit hoher Reisebelastung.
Das Tourniquet-Anlegen ist der technisch anspruchsvollste Teil. Wer es nur beim Jahresmodul übt, hat wenig Automatismus aufgebaut. Eigenständiges Üben am Abbindegerät — ohne Blut, ohne Druck, nur für den Bewegungsablauf — ist der einfachste Weg, um bei der nächsten Überprüfung keine Zeit zu verlieren.
ABC-Schutz: Maskenanlegen regelmäßig wiederholen
Die 9-Sekunden-Marke für das Maskenanlegen ist für die meisten Soldaten kein Problem, wenn sie regelmäßig üben. Das Schlüsselwort ist regelmäßig: Wer die Maske einmal im Jahr in die Hand nimmt, braucht beim ersten Versuch oft zehn bis zwölf Sekunden. Mit drei bis vier Durchgängen im Monat ist man sicher unter der Norm.
Bei den BAS-Stufen lohnt es sich, einmal die eigene Ausrüstung komplett durchzugehen: Ist das Overgarment griffbereit? Liegen die Atropin-Autoinjektoren am vorgeschriebenen Ort? Wer das bei der Überprüfung erst zusammensucht, verliert wertvolle Zeit.
Körperliche Vorbereitung: BFT und Marsch strukturiert angehen
Der BFT ist für konditionell aktive Soldaten in der Regel kein Problem. Stufe I ist die Mindestanforderung und für einen Soldaten in durchschnittlicher Fitness erreichbar. Wer Stufe III anstrebt oder für eine Verwendung mit erhöhten Anforderungen in Frage kommt, braucht gezieltes Training.
Der Marschtest ist unterschätzt. Sechs Kilometer mit fünfzehn Kilogramm klingt nach einem Spaziergang — ist es aber mit nicht eingetragenem Schuhwerk, ungewöhntem Gepäck und fehlendem Marschrhythmus nicht. Wer den Marschtest auf Stufe III bringen will (zwölf Kilometer in zwei Stunden), muss das spezifisch trainieren. Ein guter Ausgangspunkt ist die Vorbereitung auf den Bundeswehr-Sporttest.
Stand 2026: Was bleibt, was sich ändert
Was sich nicht geändert hat
Die Zentralvorschrift A1-221/0-24, Version 1.3, ist die gültige Grundlage. Stand 2026 ist keine öffentlich zugängliche aktualisierte Version bekannt. Die Anforderungen der vier Säulen — Schießen, EH-A, ABC, KLF — bleiben in ihren Mindeststandards unverändert.
Was sich mit 2026 verändert hat
Ab dem 1. Januar 2026 gilt das Wehrdienstmodernisierungsgesetz. Das betrifft vor allem Rekrutierung und Wehrerfassung. Auf die IGF-Regelung hat dieses Gesetz keinen Einfluss.
Die AVU-IGF-Übergangsfrist ist zum 31. Dezember 2025 ausgelaufen. Das bedeutet: Die sanitätsdienstliche Begutachtung zur Feststellung der Eignung für IGF-Leistungen ist ab 2026 für alle Soldaten ab dem 22. Lebensjahr verpflichtend alle drei Jahre zu absolvieren — ohne Übergangsregelung.
Die IGF-Inhalte aus der Grundausbildung — ABC, EH-A, Schießen, Karte/Kompass — sind auch im neuen Wehrdienst ausdrücklich als Pflichtbestandteile genannt.
Häufige Fragen
Die IGF sind allgemeine militärische Basisfertigkeiten, die jeder Soldat ab der Grundausbildung zur Bundeswehr erwerben und für die gesamte Dienstzeit beherrschen muss. Rechtliche Grundlage ist die Zentralvorschrift A1-221/0-24. Die IGF umfasst vier Bereiche: Schießfertigkeit, Selbst- und Kameradenhilfe (EH-A), ABC-Schutzmaßnahmen und körperliche Leistungsfähigkeit.
Aktive Soldaten müssen alle vier IGF-Bereiche einmal pro Kalenderjahr nachweisen. Jede Einzelleistung — Schießen, ABC, BFT, Marsch, Schwimmen — ist für sich im Jahresrhythmus zu erbringen. Beorderte Reservisten müssen die IGF-Nachweise alle zwei Jahre erbringen, vor Auslandsverwendungen innerhalb der letzten zwölf Monate.
Es gibt keine automatische Sanktion, aber das Nicht-Bestehen wird in der Beurteilung dokumentiert. Der Disziplinarvorgesetzte entscheidet über weitere dienstrechtliche Konsequenzen. Bei BS-Anträgen und Beförderungsentscheidungen werden IGF-Lücken der letzten zwei bis fünf Jahre geprüft. Vorsätzliches Nichtablegen kann Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen.
Die IGF hat vier Pflichtsäulen: (1) Körperliche Leistungsfähigkeit mit BFT (11×10-m-Sprint, Klimmhang, 1.000-m-Lauf), Marschtest und Schwimmtest. (2) Wertungsschießen mit der SollOrg-Waffe (meist G36 oder Pistole P8). (3) Einsatzersthelfer-A-Qualifikation mit jährlichem Kompetenzerhalt. (4) ABC-Selbstschutz mit Maskenanlegen und BAS-Stufen 0–4.
IGF ist der Oberbegriff für alle vier militärischen Grundfertigkeitsbereiche. Der BFT ist ein Testverfahren innerhalb der körperlichen Leistungsfähigkeit, die wiederum nur eine von vier IGF-Säulen ist. Wer nur den BFT absolviert hat, hat die IGF nicht vollständig erfüllt. Mehr zum Basis-Fitness-Test der Bundeswehr.
Laut A1-221/0-24 gilt die Schutzmaske als korrekt angelegt, wenn sie in maximal 9 Sekunden sitzt und abgedichtet ist. In der Praxis wird bei ABC-Alarm oft eine Zielzeit von 7 Sekunden trainiert. Zusätzlich müssen die BAS-Stufen 0–4 selbständig hergestellt werden können.
Es gibt keine starre IGF-Anforderung als formale Beförderungsvoraussetzung. In der Praxis wird das IGF bei der BS-Auswahlkonferenz umfassend geprüft — lückenlose Nachweise der letzten fünf Jahre sind dokumentierter Bewertungsfaktor. Fehlende IGF-Nachweise kosten bei der BS-Auswahlkonferenz Punkte — und Punkte sind dort nicht zurückzugewinnen.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- A1-221/0-24 „Ausbildung und Erhalt der Individuellen Grundfertigkeiten“, Version 1.3 — Primärvorschrift, Bundeswehr.de (abgerufen 31.05.2026)
- A1-221/0-24, Reservistenverband.de — Volltext mit Bezugsdokumentenliste (abgerufen 31.05.2026)
- AusbWeisg Lehrgangs-Nr. 804 915, Einsatzersthelfer A (EH-A) — Ausbildungsanweisung EH-A, Reservistenverband.de (abgerufen 31.05.2026)
- Bundestagsdrucksache 20/14269 — Parlamentarische Anfrage IGF-Konsequenzen bei Nicht-Bestehen (abgerufen 31.05.2026)
- Bundestagsdrucksache 20/13717 — AVU-IGF, Häufigkeit und Regelung (abgerufen 31.05.2026)
- Bundeswehr.de — Neuer Wehrdienst 2026 — Wehrdienstmodernisierungsgesetz ab 01.01.2026 (abgerufen 31.05.2026)
- Reservistenverband Brandenburg — ABC-Abwehr aller Truppen — BAS-Stufen und ABC-Schutzausstattung (abgerufen 31.05.2026)
IGF-Vorbereitung mit der Soldatsein-App
BFT-Training, Marschvorbereitung, ABC-Checkliste — die Soldatsein-App begleitet dich durch die militärische Karriere. Von der Grundausbildungs-Vorbereitung bis zur Führungslaufbahn. Für Fragen rund um Besoldung und Bundeswehr-Zulagen findest du dort ebenfalls alle relevanten Informationen.
Robert K., Hauptmann a.D., Jägertruppe, 17 Jahre Bundeswehr, Personaloffizier der Reserve. Alle Angaben nach bestem Wissen; Stand 31. Mai 2026. Keine Rechtsberatung — maßgeblich sind die offiziellen Dokumente der Bundeswehr und die genannten Rechtsquellen.