Als mein Sohn nach den ersten drei Monaten Grundausbildung das erste Mal nach Hause kam, legte er mir nach dem Abendessen ein Stück Papier auf den Küchentisch. Seine erste Bezügemitteilung. Er strahlte. Ich brauchte zehn Minuten, um zu begreifen, was da alles draufstand — und was eben nicht draufstand.
Wenn ich heute mit anderen Müttern und Vätern spreche, deren Kind gerade zur Bundeswehr will, kommt fast immer irgendwann die gleiche Frage: „Bekommt mein Kind eigentlich genug Geld zum Leben?“ Und genau diese Frage möchte ich Ihnen heute ehrlich beantworten — ohne Beschönigung, aber auch ohne unnötige Sorge.
Was Ihr Kind tatsächlich bekommt
Die Bundeswehr unterscheidet beim Geld vor allem zwei große Gruppen: den Freiwilligen Wehrdienst (FWD) und den Soldat auf Zeit (SaZ). Beide bekommen ihr Geld monatlich aufs Konto — aber sie heißen unterschiedlich, werden unterschiedlich berechnet und das ist auch der Grund, warum so viele Eltern verwirrt sind.
Freiwilliger Wehrdienst (FWD): Wehrsold
Wenn Ihr Kind den neuen Wehrdienst macht (6 bis 11 Monate), bekommt es Wehrsold. Seit dem 1. Januar 2026 sind diese Beträge deutlich angestiegen. Das ist die Politik-Antwort auf die jahrelangen Klagen, dass der Dienst zu unattraktiv bezahlt sei.
| Dienstgrad | Voraussetzung | Wehrsold brutto / Monat |
|---|---|---|
| Schütze, Flieger, Matrose | Einstieg | 2.600 € |
| Gefreiter | nach 3 Monaten | 2.630 € |
| Obergefreiter | nach 6 Monaten | 2.650 € |
| Hauptgefreiter | nach 12 Monaten (nur SaZ) | 2.770 € |
Quelle: Bundeswehr.de, Stand 2026.
Klingt erstmal solide. Aber Vorsicht: Das ist Brutto. Was wirklich auf dem Konto landet, sehen Sie weiter unten.
Soldat auf Zeit (SaZ): Besoldung nach Bundesbesoldungsgesetz
Wenn Ihr Kind sich für mindestens zwölf Monate verpflichtet, wechselt es in den Status Soldat auf Zeit und wird nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) wie ein Beamter bezahlt. Das ist die echte Soldatenkarriere — und hier wird es interessant.
In der Mannschaftslaufbahn beginnen die meisten in der Besoldungsgruppe A3. Ein paar Monate später, mit der Beförderung zum Obergefreiten, geht es nach A4. Wer Unteroffizier wird, kommt in A5 oder A6, Feldwebel-Anwärter in A7.
Hier sind die alten Werte aus der Tabelle, die noch bis zum 30. April 2026 gilt — also nur noch für ein paar Tage:
| Besoldungsgruppe | Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 6 |
|---|---|---|---|
| A3 | 2.816,99 € | 2.873,31 € | 3.065,72 € |
| A4 | 2.869,23 € | 2.936,55 € | 3.164,68 € |
| A5 | 2.888,44 € | 2.972,26 € | 3.238,91 € |
| A6 | 2.943,40 € | 3.041,00 € | 3.369,46 € |
| A7 | 3.073,97 € | 3.160,57 € | 3.620,94 € |
Quelle: Bundesbesoldungstabelle A 2025 (gültig bis 30.04.2026).
Ab dem 1. Mai 2026 gilt die neue Tabelle aus dem Bundesalimentationsgesetz (BAlimentG) — dazu komme ich später ausführlich.
Was bedeuten diese „Stufen“?
Das war die zweite Frage meines Sohnes — und ehrlich gesagt, ich musste sie auch erst erklärt bekommen. Eine Stufe entspricht ungefähr der Erfahrung im Dienst. In Stufe 1 startet jeder Berufseinsteiger. Nach zwei Jahren rückt man in Stufe 2 auf, dann nach weiteren zwei Jahren in Stufe 3, und so weiter. Mit jedem Stufenaufstieg steigt das Grundgehalt automatisch — auch ohne Beförderung.
Beförderungen verändern dagegen die Besoldungsgruppe selbst. Wer von A4 auf A5 befördert wird, beginnt dort wieder in einer niedrigeren Stufe — aber auf einem höheren Niveau.
Brutto vs. Netto — was wirklich auf dem Konto landet
Das ist der Punkt, an dem die meisten Eltern einen kleinen Schock bekommen — oder eine angenehme Überraschung erleben. Denn bei Soldaten gibt es eine Besonderheit, die viele Zivilisten nicht kennen.
Die gute Nachricht: keine Sozialabgaben
Während Sie und ich auf jedem Brutto-Euro Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen bekommen, zahlen Soldaten nichts davon vom Sold. Kein Beitrag zur Krankenkasse — denn Soldaten sind nicht gesetzlich versichert. Sie haben Anspruch auf die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV), also den Truppenarzt. Das bedeutet: kein Krankenkassenbeitrag, keine Zuzahlungen, keine Rezeptgebühren.
Das ist der Grund, warum das Netto bei Soldaten oft höher wirkt, als Sie es von Ihrem eigenen Gehaltszettel kennen. Es ist nicht Magie — es ist einfach ein anderes System.
Die weniger gute Nachricht: volle Lohnsteuer
Versteuert wird trotzdem alles. Auf den Wehrsold und das Grundgehalt fallen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag (in den meisten Fällen mittlerweile null oder nahe null) und gegebenenfalls Kirchensteuer an.
Drei Beispiele aus dem echten Leben — wie sie auf der Bezügemitteilung Ihres Kindes aussehen werden:
Beispiel 1: Schütze im FWD, ledig, Steuerklasse I, ohne Kirchensteuer
| Wehrsold brutto | 2.600,00 € |
| Lohnsteuer | rund 320 € |
| Solidaritätszuschlag | 0 € |
| Netto auf dem Konto | rund 2.240 € |
Beispiel 2: Obergefreiter (A4 Stufe 2, SaZ), ledig, Steuerklasse I, ohne Kirchensteuer
| Grundgehalt A4 Stufe 2 | 2.826,55 € |
| Amtszulage | 49,73 € |
| Brutto gesamt | 2.876,28 € |
| Lohnsteuer | rund 403 € |
| Kirchensteuer | 0 € |
| Netto auf dem Konto | rund 2.437 € |
Beispiel 3: Schütze im FWD, ledig, evangelisch, Steuerklasse I
| Wehrsold brutto | 2.600,00 € |
| Lohnsteuer | rund 320 € |
| Kirchensteuer (9 %) | rund 29 € |
| Netto auf dem Konto | rund 2.210 € |
Sie sehen: Ihr Kind hat zwischen 2.200 und 2.450 Euro netto monatlich zur Verfügung — und das ohne Miete für die Stube, ohne Krankenkassenbeitrag, ohne Pflichtversicherung (mit einer wichtigen Ausnahme, dazu gleich). Das ist im Vergleich zu vielen Ausbildungsgehältern ein echter Vorteil.
Lassen Sie sich von Ihrem Kind direkt im ersten Monat eine Kopie der Bezügemitteilung zeigen. Achten Sie besonders auf die Steuerklasse — viele werden automatisch in Klasse I eingeordnet, was meistens passt. Falls Ihr Kind verheiratet sein sollte oder Kinder hat, kann ein Wechsel zu Klasse III oder IV deutlich mehr Netto bringen.
Was die Bundeswehr stellt — und was nicht
Das ist der Punkt, an dem ich als Mutter besonders dankbar war, dass ich mich vorher informiert hatte. Denn was viele Eltern nicht wissen: Die Bundeswehr stellt vieles, aber nicht alles ist umsonst.
Was tatsächlich gestellt wird
- Stube: Während der Grundausbildung und solange Ihr Kind unter 25 ist und auf Lehrgang oder kasernenpflichtig, ist die Stube kostenlos. Nicht „Zimmer“ — bei der Bundeswehr heißt der Schlafraum Stube. In den ersten Wochen teilen sich vier bis sechs Rekruten eine Stube. Das ist eng, das ist laut, das ist gewöhnungsbedürftig — aber es ist umsonst.
- Uniform und Ausrüstung: Komplett gestellt. Vom Kampfanzug bis zu den Stiefeln, vom Schlafsack bis zur Marschpackung. Ihr Kind muss nichts selbst kaufen.
- Truppenärztliche Versorgung (utV): Der Arztbesuch beim Truppenarzt ist kostenlos. Auch Medikamente, einfache Operationen, Physiotherapie — alles über die Truppenärztliche Versorgung. Nicht „Heilfürsorge“ — das ist ein häufig falsch verwendeter Begriff. Der korrekte Name ist unentgeltliche truppenärztliche Versorgung, abgekürzt utV.
- Bahnfahren in Uniform: Soldatinnen und Soldaten dürfen seit 2020 in Uniform kostenlos mit der Deutschen Bahn fahren. Nicht über eine BahnCard — die Bundeswehr hat keine BahnCard 100 für Soldaten — sondern über den eToken. Das ist eine digitale Berechtigung, die über die kostenlose BW-ETOKEN-App abgerufen wird. Voraussetzung: Uniform und Truppenausweis. Mein Sohn hat das in den ersten Monaten oft genutzt, um am Wochenende heimzukommen. Eine echte Erleichterung für junge Soldaten ohne Auto.
Was NICHT generell kostenlos ist
- Verpflegung: Hier gibt es großes Missverständnis. Die Gemeinschaftsverpflegung in der Truppenküche ist verfügbar, aber nicht generell kostenlos. Wer in der Kaserne übernachtet und dort isst, bekommt einen Sachbezug, der teilweise versteuert wird. Wer am Wochenende heimfährt, isst zuhause auf eigene Kosten. In manchen Konstellationen (besondere Lehrgänge, Übungen) ist die Verpflegung kostenfrei, in anderen wird sie pauschal vom Sold abgezogen oder als geldwerter Vorteil versteuert.
- Eigene Wohnung außerhalb der Kaserne: Sobald Ihr Kind älter als 25 ist oder die Grundausbildung beendet hat und keine Kasernenpflicht mehr besteht, kann es eine eigene Wohnung beziehen. Dann gibt es unter Umständen Trennungsgeld, wenn die Wohnung am Heimatort bestehen bleibt und der Dienstort weiter weg ist.
- Pflegepflichtversicherung: Das ist der wichtigste versteckte Kostenpunkt, den 90 Prozent der Eltern übersehen. Soldaten sind nicht gesetzlich pflegeversichert — und müssen daher eine eigene Pflegepflichtversicherung abschließen. Ab Tag eins. Wer das vergisst, zahlt später nach. Die Beiträge unterscheiden sich deutlich je nach Versicherer: Eine private Pflegepflichtversicherung kostet für einen jungen, gesunden Soldaten ab etwa 31 bis 39 Euro im Monat (mit kleiner Anwartschaft). Eine gesetzliche Pflegepflichtversicherung richtet sich nach dem Brutto-Sold und liegt typisch bei 50 bis 100 Euro im Monat — also deutlich teurer.
Wenn Ihr Kind den Dienstantritt vor sich hat, schließt unbedingt innerhalb der ersten drei Monate eine Pflegepflichtversicherung ab. Das ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 1 Abs. 2 SGB XI in Verbindung mit § 23 SGB XI), und wer das versäumt, kann später Beiträge nachzahlen müssen. Die meisten Anwärter erfahren davon erst durch Zufall — die Karriereberatung weist nicht in jedem Gespräch deutlich darauf hin.
Was Ihr Kind selbst zahlen muss
Aus der Erfahrung der ersten Monate meines Sohnes — und aus den Gesprächen mit anderen Müttern — gibt es eine kurze, aber ehrliche Liste:
- Pflegepflichtversicherung: monatlich rund 31 bis 39 Euro (privat) oder 50 bis 100 Euro (gesetzlich), Pflicht innerhalb von drei Monaten nach Dienstantritt
- Heimfahrten am Wochenende: kostenlos in Uniform mit eToken, sonst auf eigene Kosten
- Verpflegung außerhalb der Kaserne: an Heimwochenenden zahlen Sie als Eltern oft zuhause mit, im Privatleben sowieso
- Handy, Internet, Streaming: laufen weiter wie zuvor
- Auto, Versicherung, Sprit: wenn Ihr Kind ein Auto hat, bleibt das auf eigenen Rechnung
- Anwartschaftsversicherung (privat): wenn Ihr Kind nach dem Dienstende wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln muss, lohnt sich eine Anwartschaft. Wenige Euro im Monat, große Wirkung.
- Diensthaftpflicht: für Soldaten empfehlenswert, in vielen privaten Haftpflichtpolicen nicht abgedeckt
Mein Sohn hat im zweiten Monat vergessen, dass auch im Soldatenleben das Handy weiterläuft, das Streaming-Abo nicht stillsteht und der Vereinsbeitrag eingezogen wird. Plötzlich war das Konto leerer, als er gedacht hatte. Eine kleine, ehrliche Lektion fürs Erwachsenwerden.
Familienzuschlag, Zulagen und Sonderzahlungen
Hier gibt es zusätzliches Geld, das sich für junge Eltern in Uniform spürbar auswirken kann.
Familienzuschlag (§ 40 BBesG)
Der Familienzuschlag ist der wichtigste Posten für Soldatinnen und Soldaten mit Familie. Er kommt on top zum Grundgehalt:
| Familiensituation | Zuschlag pro Monat |
|---|---|
| Verheiratet (Stufe 1) | 153,88 € |
| Verheiratet + 1 Kind (Stufe 2) | 285,40 € |
| 2. Kind (zusätzlich) | + 131,52 € |
| jedes weitere Kind | + 409,76 € |
Quelle: § 40 BBesG.
Zulagen — kurzer Überblick
Es gibt eine ganze Reihe von Zulagen, die je nach Verwendung dazukommen können: Stellenzulage Spannungs- und Bündnisfall, Auslandsverwendungszuschlag (AVZ), Erschwerniszulagen für Tauchen, Springen, Besatzungsmitglied auf Booten oder U-Booten, und vieles mehr. Mein Sohn hat in seiner ersten Verwendung keine besonderen Zulagen bekommen — was normal ist. Wenn er später in eine spezielle Truppe oder Verwendung kommt, kann das deutlich mehr werden.
Eine genaue Übersicht über alle Zulagen, die wirklich existieren — und welche oft mit falschen Beträgen im Internet kursieren — habe ich Ihnen in unserem Zulagen-Guide 2026 verlinkt.
Sonderzahlungen
Eine Verpflichtungsprämie gibt es für SaZ-Verträge ab 12 Jahren oder bei Mangelverwendungen. Auch hier gilt: Reden Sie mit Ihrem Kind über das, was im Vertrag wirklich drin steht — und nicht nur über das, was der Karriereberater erzählt.
Wenn Ihr Kind bereits vor Dienstantritt heiratet oder ein Kind bekommt, denken Sie an den Familienzuschlag. Die Stufe 1 sind 153,88 Euro im Monat, das sind über 1.800 Euro im Jahr. Das wird oft vergessen — beantragen muss man es nämlich aktiv.
Wann kommt mehr Geld? Aufstieg und Stufen
Das ist die Frage, die mein Mann mir gestellt hat, als unser Sohn das erste Mal von Beförderung erzählte. Ich versuche es so einfach zu erklären, wie ich es selbst verstanden habe.
Beförderung = neue Besoldungsgruppe
Wer befördert wird, springt in eine höhere Besoldungsgruppe. Vom Schützen (A3) zum Obergefreiten (A4) zum Stabsgefreiten (A5). Bei jeder Beförderung beginnt man wieder in einer neueren, niedrigeren Stufe innerhalb der neuen Gruppe — aber auf einem insgesamt höheren Niveau.
Stufenaufstieg = mehr Erfahrung in derselben Gruppe
Auch ohne Beförderung steigt das Gehalt. Etwa alle zwei Jahre rückt man eine Stufe höher. Das ist der automatische Stufenaufstieg und gilt für alle Beamten und Soldaten gleichermaßen.
Wie schnell geht es voran?
Das hängt stark von Verwendung, Dienstgrad und Bewährung ab. Realistisch sieht es bei einem typischen SaZ in den ersten Jahren so aus:
- Monat 1-3: Schütze, A3 Stufe 1
- Monat 3-6: Gefreiter, oft noch A3
- Monat 6-12: Obergefreiter, A4
- Jahr 2-3: Stabsgefreiter, A5
- Jahr 3-5: Bei Feldwebel-Laufbahn: Aufstieg in den Unteroffizierdienst
Wer in die Feldwebel-Laufbahn geht, kommt nach mehrjähriger Ausbildung als Feldwebel in A7. Hauptfeldwebel ist A8 Z (mit Amtszulage), Stabsfeldwebel ist A9, Oberstabsfeldwebel ist A9 Z. Das „Z“ steht dabei für eine Amtszulage, nicht für die nächsthöhere Besoldungsgruppe.
Ihr Sohn oder Ihre Tochter wird also nicht von heute auf morgen reich. Aber das Gehalt wächst kontinuierlich — und nach etwa zehn Jahren liegt der Sold eines erfahrenen Mannschaftssoldaten oder Unteroffiziers bei deutlich über 3.500 Euro brutto.
Die Reform am 1. Mai 2026
Hier wird es spannend, denn ab dem 1. Mai 2026 ändert sich die Besoldung grundlegend. Das Bundesalimentationsgesetz (BAlimentG), dessen Referentenentwurf am 14. April 2026 vorgelegt wurde, bringt drei Veränderungen:
- Stufe 1 fällt weg. Bisher gab es acht Erfahrungsstufen. Künftig sind es nur noch sieben. Berufseinsteiger starten direkt in der bisherigen Stufe 2 — und damit von Tag eins mit deutlich mehr Geld.
- Höhere Anfangsgehälter. Beispielsweise steigt das Einstiegsgrundgehalt A3 (neu Stufe 1) auf rund 3.107 Euro — gegenüber bisher rund 2.817 Euro in der alten Stufe 1.
- Lineare Anpassung um 3,0 Prozent, die rückwirkend zum 1. April 2025 wirksam wurde.
Was bedeutet das für Ihr Kind? Wer ab Mai 2026 als Schütze in A3 startet, bekommt ungefähr 300 Euro mehr brutto pro Monat als noch im April 2026. Das ist eine spürbare Verbesserung — und der Hauptgrund, warum die Bundeswehr aktuell mit „neuer Besoldung“ wirbt.
Eine ausführliche Analyse der Reform und was sie für SaZ und Berufssoldaten bedeutet, finden Sie in unserem Guide zur Besoldungsreform 2025/2026.
Achten Sie auf das Datum, ab dem die neuen Werte gelten. Bezügemitteilungen für April 2026 enthalten noch die alten Beträge, ab Mai 2026 erscheinen die reformierten Werte. Wenn Ihr Kind im Mai eine deutliche Erhöhung sieht — keine Sorge, das ist Absicht.
Reicht das Geld für Wohnung, Auto, Versicherungen?
Diese Frage haben mir andere Mütter am häufigsten gestellt. Ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Während der Grundausbildung und der ersten Monate
Wenn Ihr Kind in der Kaserne wohnt, kostenlos eine Stube hat, in Uniform Bahn fährt und beim Truppenarzt versorgt wird, sind 2.200 bis 2.450 Euro netto mehr als ausreichend. Mein Sohn hat in den ersten sechs Monaten gespart, weil er schlicht nicht wusste, wofür er das Geld ausgeben sollte. Wenn Sie sich fragen, was in diesen ersten Wochen passiert, lesen Sie den Grundausbildungs-Artikel.
Mit eigener Wohnung außerhalb der Kaserne
Sobald Ihr Kind die Kasernenpflicht hinter sich hat — meistens nach der Grundausbildung und dem ersten Lehrgang — sieht die Rechnung anders aus. Eine 1-Zimmer-Wohnung in einer typischen Garnisonsstadt kostet zwischen 400 und 700 Euro warm. Strom, Internet, Lebensmittel, Sprit für den Heimweg — schnell sind 1.300 bis 1.500 Euro im Monat weg, bevor irgendetwas gespart ist.
Hier hilft das Trennungsgeld (wenn der Hauptwohnsitz beim alten Heimatort bleibt) und der Familienzuschlag (wenn Familie da ist). Mit beiden Posten kommt ein junger Soldat auf etwa 2.700 bis 3.000 Euro netto und kann eine bescheidene, aber selbstständige Existenz finanzieren.
Mit Auto und Verpflichtungen
Ein Auto inklusive Versicherung, Steuer, Sprit und Reparaturen kostet realistisch 250 bis 400 Euro im Monat. Wenn dann noch ein Handy-Vertrag, ein Streaming-Abo, ein Fitnessstudio und der Vereinsbeitrag dazukommen, bleibt nicht mehr viel zum Sparen. Aber: Es reicht. Knapp, aber es reicht.
Steuererklärung — warum sie sich lohnt
Mein Sohn hat im ersten Jahr keine Steuererklärung gemacht. Im zweiten Jahr hat er es nachgeholt — und 1.420 Euro zurückbekommen. Hier sind die Posten, die fast jeder Soldat geltend machen kann:
- Werbungskostenpauschale: 1.230 Euro pro Jahr werden automatisch berücksichtigt. Wer mehr ausgibt, kann das einzeln nachweisen.
- Doppelte Haushaltsführung: wenn der Heimatort und der Dienstort verschieden sind, lassen sich Mietkosten, Heimfahrten und Verpflegungsmehraufwand absetzen.
- Familienheimfahrten: seit 1. Januar 2026 38 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke einer Heimfahrt pro Woche — die alte Staffelung (30 Cent bis 20 km, 38 Cent ab 21 km) ist mit dem Steueränderungsgesetz 2025 entfallen.
- Reinigung der Uniform: pauschal 110 Euro im Jahr, mehr mit Nachweis.
- Fortbildungen, Fachliteratur, Bewerbungskosten: jeweils einzeln.
Die Steuererklärung ist kein Hexenwerk — eine einfache Steuersoftware kostet 30 bis 50 Euro und macht den Job in zwei Stunden. Ihr Kind kann das selbst machen, oder Sie helfen ihm. Bei vielen jungen Soldaten lohnt sich das Geld zurück mehrfach.
Was ich als Mutter aus der Erfahrung gelernt habe
Wenn ich heute mit anderen Müttern und Vätern spreche, deren Kind gerade den Dienstantritt vor sich hat, fasse ich es so zusammen:
- Das Geld reicht. Nicht üppig, aber ausreichend — vor allem in der Grundausbildung und im ersten Jahr.
- Die Bundeswehr nimmt mehr ab, als Sie denken. Stube, Versorgung, Uniform, Bahnfahrt — vieles, wofür ein junger Erwachsener sonst zahlen würde, ist erledigt.
- Aber nicht alles ist umsonst. Pflegepflichtversicherung, Verpflegung an Heimwochenenden, Anwartschaftsversicherung — das wird übersehen.
- Die Reform hilft den Berufseinsteigern wirklich. Ab Mai 2026 gibt es spürbar mehr — wir reden hier von 250 bis 350 Euro brutto monatlich.
- Steuererklärung lohnt sich fast immer. Mein Sohn hat im zweiten Jahr 1.420 Euro zurückbekommen.
- Reden Sie mit Ihrem Kind über Geld. Die meisten 19-Jährigen haben noch nie eine Bezügemitteilung gesehen. Erklären Sie, was eine Steuerklasse ist, was eine Pflegepflichtversicherung ist, warum eine Anwartschaft sinnvoll ist. Das ist die wertvollste Hilfe, die Sie geben können.
Häufige Fragen von Eltern
Bei einem Wehrsold von 2.600 Euro brutto, Steuerklasse I, ohne Kirchensteuer bleiben rund 2.240 Euro netto auf dem Konto. Mit Kirchensteuer rund 30 Euro weniger. Die genaue Summe variiert je nach Konstellation und etwaigem Sachbezug für Verpflegung in der Kaserne.
Das ist eine der wichtigsten Fragen. Im Freiwilligen Wehrdienst geht der Kindergeldanspruch in der Regel verloren, weil der FWD nicht als Berufsausbildung gilt. Im SaZ ohne Berufsausbildung ebenfalls. Im SaZ mit ziviler Ausbildung oder Studium kann das Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr fortgesetzt werden, wenn die Ausbildung im Dienst dokumentiert wird. Sprechen Sie im Zweifel mit der Familienkasse — die Regelungen sind im Detail komplex.
Nein. Aktive Soldatinnen und Soldaten sind über die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV) abgesichert. Das gilt vom ersten Diensttag an. Sie sind in dieser Zeit weder gesetzlich noch privat krankenversichert — die utV ersetzt beides. Aber: Eine Anwartschaftsversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse lohnt sich, falls Ihr Kind später wieder zurückwechseln will.
Wehrsold bekommen Soldatinnen und Soldaten im Freiwilligen Wehrdienst (FWD). Er wird nach dem Wehrsoldgesetz gezahlt. Besoldung erhalten Soldaten auf Zeit (SaZ) und Berufssoldaten — sie wird wie bei Beamten nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) berechnet. Der größte praktische Unterschied: Bei der Besoldung gibt es klare Stufen und Aufstiegsrechte, beim Wehrsold sind die Sätze pauschal nach Dienstgrad festgelegt.
Nein. Die Verbeamtung als Berufssoldat ist nicht direkt wählbar. Sie wird erst nach mehreren Jahren erfolgreicher Dienstzeit auf Antrag verliehen — und nur, wenn die Bundeswehr dauerhaftem Bedarf hat. Der Einstieg ist immer entweder FWD, SaZ kurz oder SaZ regulär.
Ein Hauptmann mit etwa 8,5 Jahren Dienstzeit liegt bei rund 4.700 bis 5.300 Euro brutto monatlich. Ein Major nach 13 Jahren bei rund 5.900 bis 6.100 Euro brutto. Wer es bis zum Oberstleutnant oder Oberst schafft, kommt auf 6.500 bis 9.600 Euro. Das sind Brutto-Werte; netto bleiben je nach Steuerklasse und Familiensituation etwa 60 bis 70 Prozent davon.
Während der Grundausbildung ja, weil dort die Kaserne wohnungstechnisch alles abdeckt. Sobald die Kasernenpflicht endet, hängt es vom Standort ab. In günstigen Garnisonsstädten reicht das Gehalt bequem, in teuren Großstädten ist es eng — gerade ohne Familienzuschlag oder Trennungsgeld.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- § 40 Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) — Familienzuschlag. gesetze-im-internet.de (abgerufen 29.04.2026)
- Wehrsoldgesetz und Wehrsoldverordnung (WsoldVO) — Wehrsold für FWD. gesetze-im-internet.de (abgerufen 29.04.2026)
- Referentenentwurf Bundesalimentationsgesetz (BAlimentG) vom 14.04.2026, Anlage IV/V — neue Besoldungstabelle ab 1.5.2026, Quelle: BMI
- Bundeswehr.de — Gehalt, Besoldung, Entgelt, Zulagen, Tabellen — offizielle Dienstgrad- und Soldübersicht. bundeswehr.de (abgerufen 29.04.2026)
- § 1 Abs. 2 und § 23 SGB XI — Pflicht zur Pflegepflichtversicherung für Soldaten. gesetze-im-internet.de § 23 (abgerufen 29.04.2026)
- § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG / Steueränderungsgesetz 2025 — Pendlerpauschale 38 Cent ab erstem Kilometer ab 01.01.2026. (abgerufen 29.04.2026)
- DBwV — Deutscher BundeswehrVerband — Eltern- und Bewerber-Beratung (Sekundärquelle zur Einordnung). dbwv.de (abgerufen 29.04.2026)
Bezügemitteilung verstehen — gemeinsam mit Ihrem Kind
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