Grundausbildung Bundeswehr: Was Eltern über die ersten Wochen wissen sollten

Als mein Sohn mir sagte, er wolle zur Bundeswehr, war meine erste Reaktion: Wie lange dauert das eigentlich? Was passiert da genau? Und wann kann ich ihn wieder sehen? Ich erinnere mich noch gut an den Abend, an dem er mir von seiner Entscheidung erzählte. Ich stellte mir vor, wie er morgens um halb sechs aus dem Bett gerissen wird, stundenlang durch Gelände läuft und wochenlang nicht nach Hause darf. Das Bild war so falsch wie es typisch für ahnungslose Mütter ist.

Die Realität? Mein Sohn kam fast jedes Wochenende nach Hause. Er rief mich jeden Abend an, wenn er wollte. Und das feierliche Gelöbnis — der Tag, an dem ich ihn das erste Mal in Uniform sah — war einer der bewegendsten Momente meines Lebens.

In diesem Artikel erzähle ich Ihnen, was in der Grundausbildung wirklich passiert. Nicht als Soldatin — das bin ich nicht und war ich nie. Sondern als Mutter, die dabei war, die gefragt hat, die gelernt hat, und die all das, was sie erfahren hat, jetzt mit Ihnen teilt.

Was ist die Grundausbildung überhaupt?

Wer bei der Bundeswehr anfängt — egal ob als Freiwillig Wehrdienst Leistender, als Soldat auf Zeit oder als Offizieranwärter — durchläuft zunächst die militärische Grundausbildung. Niemand kommt an ihr vorbei. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

In diesen ersten Wochen lernen die Rekrutinnen und Rekruten:

Das klingt nach einem harten Programm — und das ist es auch. Aber mein Sohn hat mir erzählt, dass die Kameradschaft, die in diesen Wochen entsteht, etwas ganz Besonderes ist. Man wächst zusammen. Man lernt einander zu vertrauen. Diese Bindung, sagte er, hat er so in keiner anderen Phase seines Lebens erlebt.

Wenn Sie Ihrem Kind noch beim ersten Schritt zur Bundeswehr helfen wollen, lesen Sie auch unseren Artikel „Mein Kind will zur Bundeswehr: Was Eltern jetzt wissen müssen" — dort erkläre ich, was schon vor der Grundausbildung passiert.

Wie lange dauert sie — und warum ist das je nach Teilstreitkraft unterschiedlich?

Hier ist einer der Punkte, bei dem ich selbst lange verwirrt war — und den ich Ihnen deswegen besonders klar erklären möchte.

Bei Luftwaffe, Marine, Cyber- und Informationsraum (CIR) und dem Sanitätsdienst gilt: Die Grundausbildung dauert drei Monate. Anschließend folgt eine spezialisierte Ausbildung, die Ihr Kind auf den konkreten Dienstposten vorbereitet.

Beim Heer gilt seit Juli 2025 etwas anderes: Dort wurde die Ausbildung umstrukturiert. Es gibt jetzt eine sechsmonatige Basisausbildung, die die frühere Grundausbildung und die anschließende Spezialgrundausbildung zusammenfasst. Das Ziel dahinter: Alle Heer-Soldaten sollen nach sechs Monaten einen einheitlichen, umfassenden Ausbildungsstand erreicht haben.

Was das für Sie als Elternteil bedeutet:

Was Ihr Kind in dieser Zeit genau erwartet, lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel: Basisausbildung Heer 2026 — 6 Monate im Detail, von Woche 1 bis zur Stammeinheit.

Wohin Ihr Kind zur Grundausbildung kommt, wird während des Einplanungsgesprächs besprochen. Über diesen wichtigen Schritt habe ich in einem separaten Artikel geschrieben: Einplaner Bundeswehr: Was in diesem Gespräch wirklich entschieden wird.

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Der Tagesablauf: Was Ihr Kind täglich erwartet

Das erste, was ich von meinem Sohn nach seiner Ankunft in der Kaserne hörte: „Mama, ich bin morgens um halb sechs aufgestanden. Ich dachte, ich sterbe." Er sagte das lachend. Aber ja — die frühen Zeiten sind real.

Ein typischer Werktag in der Grundausbildung sieht ungefähr so aus:

UhrzeitWas passiert
05:30 UhrWecken
05:35 – 06:15 UhrMorgentoilette, Stubenappell, Uniform anlegen, Bett machen, Stubenkontrolle
06:30 UhrFrühsport (Geländelauf, Gymnastik)
07:00 UhrFrühstück
07:30 UhrAntreten, Tagesbefehle
08:00 – 12:00 UhrAusbildung (Theorie, Formaldienst, Schießstand, je nach Dienstplan)
12:00 UhrMittagessen
13:00 – 17:00 UhrAusbildung Nachmittag (Gefechtsdienst, Sport, Stationsausbildung)
17:00 UhrDienstschluss, Tagesnachbesprechung
17:30 – 18:30 UhrDienstnachbereitung (Waffen reinigen, Ausrüstung pflegen) und Abendessen
19:00 – 22:00 UhrFreizeit: Duschen, Telefonieren, Uniform pflegen, Lernen
22:00 UhrNachtruhe

Wichtig: Dieser Rhythmus gilt von Montag bis Freitag. Bei Nachtschießen, Biwak oder 24-Stunden-Übungen kann es abweichen — aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Mehrere Male während der Grundausbildung „verlegt" der Zug ins Gelände für ein Biwak — Übernachtung unter freiem Himmel, Stellungen bauen, das echte Feldleben üben. Mein Sohn hat davon rückblickend begeistert erzählt. In dem Moment war er weniger begeistert.

Was Ihr Kind nicht vergessen sollte: Die Stube — der gemeinsam genutzte Wohnraum mit seinen Kameraden — muss stets ordentlich sein. Jeden Morgen gibt es die Stubenkontrolle. Wer unordentlich ist, fällt auf.

Handy, Kontakt, Wochenende: Wann können Sie Ihr Kind erreichen?

Das ist die Frage, die mir Eltern am häufigsten stellen: „Wann kann ich mit meinem Kind sprechen?"

Handy-Regeln in der Grundausbildung

Ihr Kind darf sein Handy mitbringen. Es gibt keine generelle Abgabe. Aber es gibt klare Regeln:

Was das für Sie bedeutet: Sie können Ihr Kind in der Regel abends zwischen 19 und 22 Uhr erreichen. Informieren Sie Ihr Kind vorher, zu welcher Zeit Sie am liebsten anrufen. Umgekehrt wird Ihr Kind in diesen Stunden auch von sich aus schreiben oder rufen.

Im absoluten Notfall — sei es ein Trauerfall in der Familie oder eine medizinische Situation — können Sie Ihr Kind auch tagsüber über die Bundeswehr-Dienststelle erreichen. Sprechen Sie Ihr Kind vorher an, wie es in solchen Situationen vorgehen soll, und lassen Sie sich die Telefonnummer der Einheit geben.

Neben dem Telefon spielen auch Briefe und Pakete eine wichtige Rolle: Wie Familien den Kontakt während der Grundausbildung am besten aufrechterhalten — von Briefen bis hin zu Videotelefonie — erklären wir ausführlich in unserem Artikel Briefe in der Grundausbildung: So halten Familien Kontakt.

Wochenenden: Wann kommt Ihr Kind nach Hause?

Die gute Nachricht: Die meisten Wochenenden sind frei. Ab dem zweiten Wochenende beginnt der Wochenendurlaub in der Regel freitagnachmittags nach Dienstschluss.

Das erste Wochenende ist oft noch dem Dienst gewidmet — Ausrüstung herrichten, organisatorische Aufgaben, manchmal auch noch Ausbildungseinheiten.

Ausnahmen gibt es: Wenn Ihr Kind Wachdienst hat, ein Biwak stattfindet oder eine größere Übung läuft, kann das Wochenende eingeschränkt sein. Solche Ausnahmen werden im Dienstplan angekündigt.

Die Heimfahrt kostet nichts. Soldaten dürfen in Uniform kostenlos Bahn fahren — nicht mit einer BahnCard 100, sondern mit dem sogenannten eToken über die BW-ETOKEN-App. Voraussetzung: Uniform tragen und den Truppenausweis dabei haben.

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Das feierliche Gelöbnis: Der wichtigste Moment für Eltern

Wenn Sie nur zu einer Veranstaltung während der Grundausbildung kommen können, dann zu dieser: dem feierlichen Gelöbnis.

Das Gelöbnis findet gegen Ende des zweiten Monats statt — bei der dreimonatigen Grundausbildung (Luftwaffe, Marine, CIR) nach etwa zwei Monaten, beim Heer in der Mitte der Basisausbildung. Die genauen Termine teilt die Einheit Ihrem Kind mit. Und Ihr Kind teilt sie Ihnen mit — hoffentlich rechtzeitig genug zum Freihalten des Termins.

Was beim Gelöbnis passiert:

Die Rekrutinnen und Rekruten treten auf dem Appellplatz an — im Dienstanzug, ohne Waffe. Vor Gästen, Angehörigen und Vorgesetzten sprechen sie die Gelöbnisformel:

„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."

Dann ist es offiziell: Aus dem zivilen jungen Menschen ist ein Soldat oder eine Soldatin geworden.

Für Sie als Elternteil ist das Gelöbnis besonders: Es ist in der Regel das erste Mal, dass Sie Ihr Kind in Uniform sehen. Nach der Zeremonie — sobald Ihr Kind aus der Formation entlassen wird — dürfen Sie gratulieren, Fotos machen und Ihr Kind kurz in den Arm nehmen.

Gelöbnisse finden nicht nur in Kasernen statt. Manchmal sind es öffentliche Plätze, historische Orte, sogar Stadtmitten. Die Bundeswehr betont damit, dass Soldaten keine Soldaten einer abgeschlossenen Elite sind — sondern Staatsbürger in Uniform, Teil der Gesellschaft.

Mein Sohn stand an diesem Tag auf dem Appellplatz, und ich stand im Publikum. Ich weiß noch genau, was ich gedacht habe: „Das ist mein Kind. Und es weiß, warum es das tut." Das hat alles leichter gemacht.

Was kommt nach der Grundausbildung? Der Standortwechsel

Das überrascht viele Eltern: Nach Abschluss der Grundausbildung — oder beim Heer: der Basisausbildung — wechseln die meisten Soldaten ihren Standort. Sie ziehen zur sogenannten Stammeinheit, wo sie fortan ihren Dienst leisten werden.

Das ist keine Ausnahme. Das ist die Regel.

Bei der Luftwaffe, Marine und dem CIR kommt nach den drei Monaten Grundausbildung noch eine spezialisierte Ausbildung — und anschließend die Versetzung zur Stammeinheit. Beim Heer folgt nach der sechsmonatigen Basisausbildung direkt die Stammeinheit.

Was bedeutet das für Sie als Elternteil?

Die Grundausbildung selbst findet in ganz Deutschland statt — dezentral an verschiedenen Standorten. Wohin Ihr Kind kommt, wird mit dem Einplaner besprochen. Auf einen bestimmten Standort pochen können die wenigsten — dafür ist die Bundeswehr zu groß.

Mehr über die Bewerbung und wie es zum Einplanungsgespräch kommt, lesen Sie hier: Bewerbung Bundeswehr 2026: Der komplette Guide.

Gehalt in der Grundausbildung: Was Ihr Kind verdient

Ein Thema, das überrascht: Ihr Kind verdient von Tag eins an Geld. Nicht wenig. Deutlich mehr als die meisten Auszubildenden.

Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (SaZ) — also auch Feldwebelanwärter und Unteroffizieranwärter in der Grundausbildung — werden nach Besoldungsgruppe A3 besoldet. Laut den offiziellen Bezügebeispielen der Bundeswehr (Stand Januar 2026) liegt der Brutto-Sold in A3 Stufe 1 bei 2.788,20 Euro brutto. Netto bleiben davon — je nach Steuerklasse und Familienstand — ca. 2.390 Euro netto übrig (Richtwert, ledig, Steuerklasse I). Bei Kasernenpflicht mindert sich das Grundgehalt zusätzlich um 144,27 Euro (§ 39 Abs. 2 BBesG), der Sachbezug für die Unterkunft wird versteuert.

Freiwillig Wehrdienst Leistende (FWD) erhalten keine Besoldung, sondern einen Wehrsoldgrundbetrag. Für einen ledigen Schütze/Flieger/Matrose ohne Kinder liegt dieser aktuell bei 2.600 Euro brutto, netto bleiben rund 2.267 Euro (Steuerklasse I). Dafür sind FWD sozialversicherungspflichtig — die Beiträge übernimmt komplett der Arbeitgeber Bundeswehr.

Dazu kommen Leistungen, die die finanzielle Lage erheblich verbessern:

Im Vergleich zum Ausbildungsgehalt in vielen Handwerksberufen — häufig 800 bis 1.100 Euro brutto im ersten Lehrjahr — ist das Einkommen in der Bundeswehr ein erheblicher Unterschied.

Was Ihr Kind mit dem Geld macht — das Elternhaus entlasten, sparen, das erste eigene Konto aufbauen — ist natürlich ihm überlassen. Aber es hat von Anfang an finanzielle Eigenständigkeit. Das war für meinen Sohn, der vorher immer Taschengeld bekommen hatte, ein echter Einschnitt — im positiven Sinne.

Wer das Thema Geld vollständig durchdringen möchte — mit drei detaillierten Brutto-Netto-Beispielen, Familienzuschlag-Tabellen und allem, was die Reform ab 1. Mai 2026 ändert — findet das im Folgeartikel: Bundeswehr Gehalt: Was verdient mein Sohn oder meine Tochter wirklich?

Praktische Tipps: Was Ihr Kind einpacken sollte

Die Bundeswehr stellt die Ausrüstung. Aber ein paar persönliche Dinge helfen, die erste Zeit leichter zu machen. Was mein Sohn mir rückblickend empfohlen hätte, mitzugeben:

Wichtiges:

Besser zu Hause lassen:

Ein Eltern-Tipp aus eigener Erfahrung: Schicken Sie Ihrem Kind in den ersten Wochen ein Paket. Schokolade, Lieblingskekse, ein handgeschriebener Brief. Das klingt altmodisch. Aber mein Sohn hat mir gesagt, dass er dieses Paket auf der Stube ausgepackt hat und die Kameraden alle neugierig zugeguckt haben. Ein kleines Paket von zuhause bedeutet in dieser Zeit mehr, als man denkt.

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Leo-Tipp: Die vollständige Packliste für die Grundausbildung — was die Bundeswehr stellt und was man selbst braucht — gibt es als interaktive Checkliste in der Soldatsein App. Einfach Leo fragen: „Was muss ich zur Grundausbildung einpacken?"

Quellen & Rechtsgrundlagen

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Gesetzestexte und offiziellen Verlautbarungen der Bundeswehr.

Häufige Fragen von Eltern zur Grundausbildung

Das erste Wiedersehen kommt schneller als gedacht — nämlich zum Gelöbnis. Das findet im zweiten Ausbildungsmonat statt, und Angehörige sind ausdrücklich eingeladen. Außerdem darf Ihr Kind die meisten Wochenenden nach Hause kommen. Nur im ersten Wochenende und bei Übungen kann das eingeschränkt sein.

Kasernen sind Sicherheitsbereiche. Zivilpersonen können nicht einfach hinein — Besuche sind nur mit vorheriger Anmeldung und Genehmigung möglich. Während der Grundausbildung ist das ohnehin kaum praktikabel, da Ihr Kind tagsüber keinen Spielraum hat. Treffen Sie Ihr Kind lieber außerhalb der Kaserne nach Dienstschluss, oder kommen Sie zum Gelöbnis. Alles zum genauen Ablauf erklärt unser Artikel darüber, wann und wie Sie Ihr Kind in der Kaserne besuchen dürfen.

Erkrankungen werden über die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV) behandelt — die bundeswehreigene medizinische Versorgung. Kranke Rekruten werden nicht krank zum Dienst geschickt. Bei ernsteren Erkrankungen oder Verletzungen wird die Ausbildung entsprechend angepasst oder unterbrochen.

Ja. In den ersten sechs Monaten des Dienstverhältnisses kann Ihr Kind jederzeit auf eigenen Wunsch ausscheiden — ohne Begründung, ohne Konsequenzen. Das ist gesetzlich geregelt. Danach gelten die Regelungen des jeweiligen Verpflichtungszeitraums.

Ja, in der Regel. Der Standortwechsel zur Stammeinheit nach Abschluss der Grundausbildung — oder der Basisausbildung beim Heer — ist der Normalfall und zu erwarten. Wo die neue Einheit liegt, erfahren Soldaten meistens gegen Ende der Ausbildung.

„Grundausbildung" (GA) ist der Begriff für die Ausbildung bei Luftwaffe, Marine, CIR, Sanitätsdienst und Unterstützungsbereich — sie dauert drei Monate. „Basisausbildung" (BA) ist der neue Begriff beim Heer seit Juli 2025 — sie dauert sechs Monate und fasst die frühere Grundausbildung und Spezialgrundausbildung zusammen.

Während des Dienstes: Nein — das Handy bleibt im Spind. Nach Dienstschluss und am Wochenende: Ja. Ihr Kind kann abends telefonieren, schreiben und im Internet surfen. Nur in Sicherheitsbereichen und bei Schießübungen ist das Handy komplett verboten.

Ihr Kind startet in die Grundausbildung — und Sie haben noch offene Fragen?

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