Als Ausbilder in Feldkirchen habe ich es immer wieder beobachtet: Die meisten Rekruten haben eine ungefähre Vorstellung davon, was sie in der Kaserne erwartet — aber kaum einer kennt die Details. Die Stube, die Spindordnung, der Tagesablauf, die Reinigungspflichten — abstrakt im Vorfeld, sehr konkret ab dem ersten Dienst.
Ich war acht Jahre beim Heer, davon mehrere als Ausbilder in der Grundausbildung. Was ich in dieser Zeit gesehen habe: Wer die Grundregeln des Kasernenalltags kennt, bevor er das erste Mal durch das Kasernentor geht, hat eine deutlich entspanntere erste Zeit. Nicht weil der Dienst leichter wird — sondern weil er weiß, worauf er sich konzentrieren muss.
Dieser Artikel erklärt dir, wie das Leben in der Kaserne wirklich aussieht. Nicht geschönt, nicht verherrlicht — sondern so, wie ich es hunderten von Rekruten selbst erklärt habe.
Stube — Dein Zuhause auf Zeit
Wie eine Stube aussieht
Vergiss Hotelzimmer. Vergiss WG-Zimmer. Eine Bundeswehr-Stube ist funktional, nüchtern und auf das Wesentliche reduziert. Laut ZDV A2-2630 und der offiziellen Bundeswehr-Grundausbildungsseite sind Gemeinschaftsunterkünfte für zwei bis sechs Personen ausgelegt. Die typische Stube in Feldkirchen ist auf vier Mann ausgelegt — manchmal mehr, selten weniger.
Was du vorfindest: Jeder Soldat hat ein Bett (Einzel- oder Doppelstockbett), einen abschließbaren Spind mit separatem Privatfach, einen Stuhl und einen Platz am gemeinsamen Tisch. Die Wände sind kahl, der Boden meistens Linoleum, die Nasszelle entweder angrenzend oder auf dem Flur. Das ist dein Zuhause für die nächsten Wochen oder Monate.
Ein Namensschild am Bett gibt es nicht — das ist ein Klischee aus alten Filmen. Die Belegung der Stuben regelt der Kompaniefeldwebel (KpFw). Du hast da wenig Einfluss.
Was du mitbringen darfst — und was nicht
Die Packliste für die Grundausbildung Bundeswehr ist dein wichtigstes Vorbereitungsdokument. Grundsätzlich gilt: Persönliche Gegenstände wie Kleidung, Hygieneartikel, Bücher oder ein Laptop sind erlaubt, sofern sie sicher im Privatfach des Spindes verstaut werden. Bargeld, Handy und Laptop gehören immer ins abgeschlossene Privatfach — nicht auf den Tisch, nicht aufs Bett.
Was du besser zuhause lässt: alles, was im Dienst stört oder verboten ist. Dazu gehören alkoholische Getränke (in vielen Einheiten im Unterkunftsgebäude nicht gestattet), Waffen jeder Art und — das überrascht manche — eigene Netzwerkgeräte wie WLAN-Router.
Die Internet-Realität
Fast jeder bringt in den ersten Wochen irgendwas mit, das er nicht haben sollte. Eigene Router sind in der Regel verboten oder technisch gesperrt. Das WLAN der Kaserne ist vorhanden, aber langsam. Es reicht für WhatsApp, Nachrichten lesen und gelegentliche Videoteleforiate — für das Streaming von Filmen oder das Spielen online ist es unzuverlässig. Plane deine digitale Freizeit entsprechend.
Dein Handy darfst du außerhalb des Dienstes benutzen. Während des Dienstes gehört es ausgeschaltet ins Privatfach. Das ist keine Empfehlung, das ist Vorschrift.
Die Stubenmappe deiner künftigen Einheit ist oft auf bundeswehr.de verfügbar — schau sie dir vor dem Dienstantritt an. Übe den Spindaufbau einmal zuhause durch: Was kommt wohin, wie wird Kleidung gefaltet, wie viele Schlösser brauchst du. Pack vier Vorhängeschlösser ein — die brauchst du wirklich. Wer den Spind schon einmal vor Augen hatte, steht in den ersten Tagen nicht hilflos vor dem Schloss.
Stubenordnung — Mehr als nur Spind
Der Stubenälteste — nicht Stubenkommandant
Jede Stube hat einen Stubenältesten. Das ist der dienstälteste oder rangHöchste Soldat der Stubengemeinschaft. Wichtig: Der Begriff „Stubenkommandant“ ist falsch — es gibt keinen Kommandanten einer Stube. Der Stubenälteste hat keine Befehlsgewalt, ist aber de facto der Ansprechpartner für den Gruppenführer und den UvD (Unteroffizier vom Dienst). Er koordiniert den Reinigungsplan der Stube, meldet Mängel und übernimmt bei angekündigten Stubendurchgängen die Meldung an den Vorgesetzten.
In Feldkirchen habe ich erlebt, dass ein guter Stubenältester den Ton der ganzen Gemeinschaft bestimmt. Wer die Aufgabe ernst nimmt, hat eine funktionierende Stube. Wer glaubt, es läuft von selbst — der lernt es spätestens beim ersten Stubendurchgang.
Das Spind-Schema
Der Spindaufbau ist durch die Stubenmappe der Einheit verbindlich festgelegt. Jede Einheit hat leicht abweichende Vorgaben — das Grundprinzip ist überall gleich, wie die Stubenmappe PzGrenLtBtl 92 und die Stuben- und Spindordnung FmBtl 610 belegen:
- Oben: Gefechtsausrüstung — Helm, Schutzweste, ABC-Maske, Rucksack
- Links (aufgehängt): Dienstanzüge und Mantel
- Rechts (aufgehängt): Nässeschutz, Feldblusen, Kampfjacken; darunter Kampfstiefel (nur gereinigt!)
- Schubfächer: Socken, Unterwäsche, Handschuhe und Gürtel sauber gefaltet
- Privatfach (stets verschlossen): Handy, Laptop, Bargeld, persönliche Dokumente
Keine Bilder, keine Aufkleber, keine Poster im oder am Spind. Wenn du wissen willst, was du alles brauchst, wirf einen Blick auf die Packliste Bundeswehr Grundausbildung.
Bett bauen — das unterschätzte Handwerk
Das Bett wird täglich nach dem Aufstehen gemacht. Der Bettwechsel erfolgt mindestens einmal wöchentlich. Das Schema laut Stubenmappe PzGrenLtBtl 92:
- Bettlaken straff spannen — keine einzige Falte erlaubt
- Bettdecke einmal längs falten, mittig auf dem Bett platzieren, Faltkante nach außen (zur Tür hin)
- Kopfkissen glatt ziehen und am Kopfende positionieren
Wer das noch nie gemacht hat: Übe es zuhause, bevor du einrückst. Der erste Stubendurchgang kommt schneller als gedacht, und die Zeit von Wecken bis Antreten ist kurz.
Stubendurchgang — wer kontrolliert wann
Kontrollen der Stube durch Vorgesetzte sind auf das notwendige Maß zu beschränken, wie die ZDV A2-2630 in Nummer 159 festlegt. Das Betreten einer Stube wird durch deutliches Anklopfen angekündigt — außer bei angekündigten Stubendurchgängen, Spindkontrollen und Appellen. In der Praxis bedeutet das: Du weißt meistens vorher, wann ein Durchgang kommt. Nutze diese Zeit.
Den Reinigungsplan erstellt der Kompaniefeldwebel (KpFw). Die Stubengemeinschaft ist selbst dafür verantwortlich, die Reinigung durchzuführen und zu koordinieren. Das steht so in der ZDV, und das meinen sie ernst.
Dein Tagesablauf — Stunde für Stunde
Diese Zeiten gelten für einen typischen Werktag in der Grundausbildung Heer in Feldkirchen. Standortabhängige Abweichungen von ±30 Minuten sind normal. Der Tagesdienstplan ist ein verbindlicher Befehl — was draufsteht, gilt.
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| Uhrzeit | Aktivität | Ort | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 05:00 Uhr | Wecken | Stube | Energisches Klopfen oder Ansage auf dem Gang. Alle sorgen dafür, dass niemand verschläft. |
| 05:00–05:30 | Morgentoilette | Nasszelle | Duschen (täglich Pflicht), Rasieren, Zähneputzen. Nasszelle wird geteilt — schnell sein ist entscheidend. |
| 05:30–06:00 | Bett bauen, Stube lüften | Stube | Laken straff, Decke gefaltet, Spind verschließen, Kampfanzug anlegen. |
| 06:00–06:30 | Frühsport / Antreten | Kasernenhof | Geländelauf, Zirkeltraining oder Gymnastik — nicht täglich, aber häufig. |
| 06:30–07:00 | Frühstück | Truppengeküche | 20–30 Minuten. Schnell essen, nicht schlendern. |
| 07:00–07:30 | Stuben-/Revierreinigung | Stube, Flur, Sanitär | Pflicht: Lüften, Wischen, Sauberkeit herstellen. |
| 07:30 Uhr | Stubenabnahme | Stube | Meldung an Gruppenführer: „Stube [Nr.] gereinigt, gelüftet und bereit.“ |
| 08:00–12:00 | Ausbildung Vormittag | Ausbildungsgebäude/Gelände | Formaldienst, Waffenkunde, Theorieunterricht, Schießstand je nach Phase. |
| 09:00–09:25 | NATO-Pause | — | Rund 20 Minuten Pause, ggf. mit Frühstücksration. |
| 12:00 Uhr | Mittagessen | Truppenküche | Mehrere Gerichte, Salatbuffet, vegetarisch immer verfügbar. |
| 13:00–17:00 | Ausbildung Nachmittag | Gelände/Halle | Gefechtsdienst, Sport, Stationsausbildung — körperlich fordernd. |
| 17:00 Uhr | Dienstschluss | Kasernenhof | Antreten, Tagesnachbesprechung, Ankündigungen für den Folgetag. |
| 17:30–18:30 | Dienstvorbereitung, Abendessen | Stube / Truppenküche | Nach Schießtagen: Waffenreinigung kann bis 19:00 Uhr oder länger dauern. |
| 19:00–21:30 | Freizeit | Stube, Mannschaftsheim | Duschen, Telefonieren, Uniform bügeln, Ausrüstung kontrollieren. Besuch erlaubt bis 21:30 Uhr. |
| 21:30 Uhr | Vorbereitung Nachtruhe | Stube | Stube nochmals reinigen, Spind kontrollieren, Uniform für morgen vorbereiten. |
| 22:00 Uhr | Nachtruhe | Unterkunftsgebäude | UvD macht Kontrollgang. Licht aus, Ruhe in der Stube. Lesen mit gedämpftem Licht erlaubt. |
| 23:00 Uhr | Zapfenstreich | Stube | GA-Teilnehmer müssen jetzt im Bett liegen — kein Verlassen der Stube mehr ohne Genehmigung. |
An Gefechtsdiensttagen, Biwaks oder Nachtschießen gilt dieser Plan nicht. Dann können 18-Stunden-Dienste vorkommen. Die anfallende Mehrarbeit wird zum Ende der Grundausbildung durch Freizeit ausgeglichen.
Einen detaillierten Überblick über die Ausbildungsinhalte findest du im Artikel zur Basisausbildung Heer.
Der Wochenrhythmus von Montag bis Sonntag
Montag bis Donnerstag — die volle Woche
Von Montag bis Donnerstag Vollbetrieb: Wecken 05:00 Uhr, Revierreinigung, voller Ausbildungstag bis ca. 17:00 Uhr. Abends Waffen reinigen, Ausrüstung pflegen — an Schießtagen kann das den Abend auffressen. Am Montag wird der Dienstplan für die Woche bekanntgegeben: Was steht für Donnerstag und Freitag? Das entscheidet, wann du zuhause ankommen wirst.
Freitag — der Abnahmetag
Freitags ist Halbtagsdienst. Laut FAQ des Wachbataillons beim BMVg endet der reguläre Dienst freitags um ca. 11:45 bis 12:00 Uhr. Aber: Erst, wenn die Stube abgenommen ist, geht es nach Hause.
Freitags um 12:00 Uhr kommt der Dienstschluss — aber erst, wenn die Stube abgenommen ist. Wer das Putzen auf die lange Bank geschoben hat, sitzt um 13:30 Uhr noch auf der Knie und reibt Kacheln, während die Kameraden schon auf dem Weg zum Bahnhof sind. Das ist keine Drohung, das ist Kasernenrealität.
Die Großreinigung am Freitag umfasst Stube, Flur und Nasszelle auf Abnahmeniveau. Plant dafür ausreichend Zeit ein.
Samstag und Sonntag — meistens frei
Wochenenden sind grundsätzlich dienstfrei — außer bei Innendienst- oder Wache-Einteilung. Samstag verbringst du in der Regel zuhause oder bei Familie und Freunden. Sonntag ist Rückreisetag. Der Wochenendausgang endet laut ZDV A2-2630, Nummer 138, spätestens am Montag um 01:00 Uhr — wer also spät am Sonntag zurückfährt, muss frühzeitig planen.
Urlaub ist während der Grundausbildung nicht vorgesehen. Ausnahmen — etwa bei einem Todesfall in der Familie oder einer Gerichtsladung — liegen im Ermessen des Disziplinarvorgesetzten.
Sonntagabend gegen 20 Uhr herrschte in Feldkirchen immer die gleiche Atmosphäre: Die Hälfte der Stube putzte, die andere Hälfte schlief. Wer am Montag nicht parat war, hatte das ganze Wochenende für nichts gemacht. Mein Rat: Putz freitags gründlich ab. Wer freitags gut abgenommen hat, braucht sonntagabends nur noch kurz zu kontrollieren, nicht stundenlang zu schrubben.
Innendienst & Wache
UvD — Unteroffizier vom Dienst
Der UvD ist der Unteroffizier vom Dienst und dein ständiger Begleiter im Kasernenalltag. Sein Dienst dauert in der Regel 24 Stunden. Zu seinen Aufgaben gehören laut ZDV A2-2630: Wecken der Gemeinschaft, Kontrollgang zum Beginn der Nachtruhe um 22:00 Uhr, weitere Kontrollgänge bis Dienstbeginn, Überwachung der Revierreinigung und Eintrag ins Dienstbuch. Erkennungszeichen: weiße Armbinde mit schwarzem Aufdruck „UvD“ am linken Oberarm.
Als Rekrut wirst du dem UvD häufig begegnen. Er ist nicht dein Feind — er ist die Aufsicht. Wer seine Stube in Ordnung hat und die Regeln kennt, hat mit dem UvD keine Probleme.
Wache — UvW und was das bedeutet
Neben dem UvD gibt es den UvW (Unteroffizier vom Wachdienst). In der Grundausbildung wirst du in den Wachdienst eingeteilt — das ist Teil der Ausbildung und unvermeidlich. Wachdienst bedeutet: Nachtdienst, Verantwortung und deutlich weniger Schlaf als üblich. Ein Spieß steht dabei übrigens nicht am Tor — der Hauptfeldwebel (Kompaniefeldwebel) ist im Büro, nicht am Eingang.
Stuben-, Flur- und Sanitärreinigung
Die tägliche Reinigung ist Pflicht. Laut ZDV A2-2630, Nummer 159, sind Stube und Spind täglich zu reinigen und mindestens einmal wöchentlich gründlich zu säubern. Die Stubengemeinschaft organisiert das in eigener Verantwortung. Flure und Sanitäranlagen werden nach einem Revierplan gereinigt, den der KpFw aufstellt.
Das klingt nach viel — und das ist es auch, vor allem in den ersten Wochen. Mit einer guten Aufgabenteilung in der Stubengemeinschaft läuft das nach kurzer Zeit automatisch. Wer seinen Teil nicht macht, fällt auf — und nicht nur beim Gruppenführer.
Verpflegung & Kantine
Truppenverpflegung in der Grundausbildung
In der Grundausbildung nimmst du alle drei Mahlzeiten in der Truppenküche ein. Frühstück, Mittagessen und Abendessen sind dort organisiert. Es gibt immer auch vegetarische Gerichte und Alternativen zu Schweinefleisch. Die Verpflegung wird über eine Verpflegungskarte (Prepaid-System) abgerechnet — plane mindestens 50 Euro Bargeld ein, um die Karte beim Einrücken aufzuladen.
Die Qualität ist nicht mit einem Restaurant vergleichbar, aber ausreichend und ausgewogen. Wer erwartet, täglich Lieblingsessen zu bekommen, wird enttäuscht. Wer erwartet, satt und ausreichend versorgt zu werden — der wird zufrieden sein.
Sachbezugswerte 2026 bei Kasernenpflicht
Kasernenpflicht gilt grundsätzlich für alle Soldaten bis zum 25. Lebensjahr sowie für alle GA-Teilnehmer unabhängig vom Alter. Für diese Gruppe wird die Unterkunft unentgeltlich bereitgestellt. Steuerlich werden jedoch Sachbezugswerte angesetzt — das ist wichtig für das Verständnis deines Netto-Soldes.
Laut Sozialversicherungsentgeltverordnung 2026 (SvEV § 2) gelten folgende steuerlich anzusetzende Sachbezugswerte:
- Unterkunft: 242 Euro/Monat (Standardwert 285 €/Monat, abzüglich 15 % für Gemeinschaftsunterkunft/Kaserne gemäß § 2 Abs. 3 Nr. 1 SvEV)
- Verpflegung (Vollverpflegung): 345 Euro/Monat (11,50 Euro/Tag)
Diese Werte werden steuerlich auf deinen Sold angerechnet und mindern entsprechend deinen Nettobetrag. Mehr zu Sold und Abzügen findest du im Artikel zur Besoldung Bundeswehr 2026.
Trennungsgeld für externe Wohnorte
Wer nicht kasernenpflichtig ist — etwa ältere Soldaten auf Zeit mit eigenem Wohnort — kann unter bestimmten Voraussetzungen Trennungsgeld (TGV) erhalten. Voraussetzung ist laut Bundeswehr-Merkblatt Trennungsgeld, dass der Wohnort mindestens 30 km vom Dienstort entfernt ist. Details dazu im Artikel zum Trennungsgeld Bundeswehr.
Was Kameraden anfangs unterschätzen
Ich habe in Feldkirchen viele Rekruten durch die ersten Wochen bei der Bundeswehr begleitet. Es gibt Dinge, über die fast alle stolpern — unabhängig davon, wie gut sie sich vorbereitet haben.
Die Putzwut am Sonntagabend
Wer freitags gründlich abgenommen hat, kommt montags locker durch. Wer in der Woche nicht putzt, verbringt den Sonntag mit Schrubben statt Schlafen. Das klingt trivial — aber ich habe Rekruten gesehen, die montags völlig erschöpft in den Dienst kamen, weil sie sonntagabends noch stundenlang gereinigt haben. Die Lösung ist einfach: Sauber halten, nicht erst sauber machen.
Spind-Stress
Ich habe in Feldkirchen erlebt, dass die erste Spindkontrolle für manche Rekruten emotional belastender war als das erste Schießen. Wer seinen Spind vorher noch nie systematisch aufgebaut hat, weiß in den ersten Tagen nicht, wo anfangen. Die meisten bauen ihn in den ersten Tagen dreimal um. Schau dir vor dem Einrücken die Grundausbildung-Vorbereitung an — das spart dir diesen Stress.
Aufeinanderhocken
Du lernst deine Stubengenossen in den ersten Tagen besser kennen als manche Freunde aus der Schule in Jahren. 24/7 auf engem Raum: Das Potenzial für Reibung ist real — das Potenzial für echte Kameradschaft ebenso. Wer damit rechnet und einen kühlen Kopf behält, übersteht auch die schwierigen Phasen.
Wenn einer auf der Stube das Bett-Bauen schnell draufhatte, zog er die anderen mit. Wenn einer es verweigerte, litt die ganze Gruppe — bis der Gruppenführer eingriff. Stubengemeinschaft ist buchstäblich das Modell für den späteren Dienst: Wer dem Nachbarn beim Spindaufbau hilft, bekommt es beim Bügeln zurück. Gib zuerst — du wirst es zurückerhalten.
Der Bügelkram
Uniform bügeln ist keine Option. Diensthemden, Feldblusen, Kampfhosen — alles muss faltenlos sein. Von der Kammer bekommst du kein Bügeleisen. Pack deins ein, dazu Bügelspray.
Zeit ist immer knapp
Zwischen zwei Ausbildungsblöcken bleiben oft 15 Minuten für alles. Wer die Ausrüstung abends nicht vorbereitet, ist morgens der Letzte. Das fällt auf.
Tobi-Tipps für einen entspannten Kasernenalltag
Nach acht Jahren und Hunderten von Rekruten weiß ich, was den Unterschied macht. Nicht körperliche Stärke, nicht Intelligenz — sondern Vorbereitung und Einstellung.
1. Spind und Bett vorher üben.
Klingt lächerlich, spart enorm Zeit und Stress. Das Bett-Bauen und den Spindaufbau einmal zuhause durchgehen, bevor du das zum ersten Mal in fünf Minuten auf der Stube vor dem Gruppenführer tust. Die Stubenmappe PzGrenLtBtl 92 ist öffentlich verfügbar — schau sie dir an.
2. Den Wochenplan im Kopf haben.
Freitag ist Abnahmetag. Wer das vergisst oder verdrängt, fährt später heim — oder gar nicht. Reinigung ist keine Strafe, sie ist Teil des Dienstes. Wer das akzeptiert, entspannt sich.
3. Kameraden helfen — dann hilft man dir.
Stubengemeinschaft funktioniert auf Gegenseitigkeit. Wer hilft, bekommt Hilfe zurück. Das gilt für den Spindaufbau genauso wie für die Waffenreinigung nach einem langen Schießtag.
4. Die Bügelpflicht ernst nehmen.
Bügeleisen und Bügelspray einpacken. Uniform abends herrichten — nicht am Morgen vor dem Antreten.
5. Reinigung als Routine, nicht als Last.
Wer täglich fünf Minuten reinigt, muss nicht stundenlang schrubben.
6. Den Kopf klar behalten.
Die ersten Wochen sind intensiv — körperlich und mental. Privatsphäre minimal, Schlaf knapp. Das ist so geplant. Wer das akzeptiert, hat es deutlich leichter.
Mehr zur konkreten Vorbereitung auf die Grundausbildung findest du im Artikel zu Bundeswehr-Voraussetzungen 2026 sowie zur Grundausbildung vorbereiten.
Die Soldatsein-App für deinen Start
Checklisten, Finanz-Tools, Dienstplan-Erklärungen und eine Community für aktive Soldatinnen und Soldaten — alles in einer App.
FAQ: Häufige Fragen zum Kasernenalltag
Eine Bundeswehr-Stube ist eine funktionale Gemeinschaftsunterkunft für zwei bis sechs Soldaten. Jeder hat ein Bett, einen abschließbaren Spind mit Privatfach, Stuhl und Platz am gemeinsamen Tisch. Keine persönliche Dekoration, Unterbringung nach Geschlecht getrennt. Die Belegung legt der Kompaniefeldwebel fest.
In der Grundausbildung täglich etwa zwei bis zweieinhalb Stunden — von 19:00 bis 21:30 Uhr, nach Waffenreinigung und Abendessen. An Biwaks oder Nachtschießen kann diese Zeit komplett wegfallen.
Grundsätzlich nein. Nach der Stubenabnahme am Freitag beginnt der Wochenendausgang, der spätestens Montag um 01:00 Uhr endet. Ausnahmen: Innendienst- oder Wache-Einteilung.
Gruppenführer oder Zugführer führen Stubendurchgänge durch — der Stubenälteste meldet. Der UvD kontrolliert abends im Rahmen seiner Rundgänge. Betreten wird durch Anklopfen angekündigt, außer bei angekündigten Durchgängen und Appellen.
In der Grundausbildung um 05:00 Uhr. Der Tag geht bis 23:00 Uhr (Zapfenstreich). Wer die Morgenroutine eingespielt hat, kommt mit sieben Stunden Schlaf aus.
Nachtruhe beginnt um 22:00 Uhr — Ruhe im gesamten Unterkunftsgebäude. Zapfenstreich um 23:00 Uhr: Ab dann müssen GA-Soldaten in der Stube bleiben. Der UvD macht zu Beginn der Nachtruhe einen Kontrollgang.
Zwei bis sechs — in der Grundausbildung Heer meist vier Personen. Die Belegung legt der Kompaniefeldwebel fest, du hast keinen Einfluss darauf.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- Bundeswehr, Stubenmappe PzGrenLtBtl 92 — Spind- und Bettordnung (abgerufen 12.06.2026)
- ZDV A2-2630/0-0-2, „Leben in der militärischen Gemeinschaft“ — Stubenordnung, UvD, Nachtruhe, Wochenendausgang (abgerufen 12.06.2026)
- Bundeswehr, Stuben- und Spindordnung FmBtl 610 (abgerufen 12.06.2026)
- Bundeswehr, Grundausbildung Wachbataillon beim BMVg — Unterbringung, Dienstzeiten, Verpflegung (abgerufen 12.06.2026)
- Bundeswehr, FAQ Anlage D (Wachbataillon) — Dienstzeiten Freitag (abgerufen 12.06.2026)
- Bundeswehr, Merkblatt Trennungsgeld — Voraussetzungen TGV (abgerufen 12.06.2026)
- Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) § 2 — Sachbezugswerte 2026 (abgerufen 12.06.2026)
- Wikipedia, Unteroffizier vom Dienst — UvD-Aufgaben, Erkennungszeichen (abgerufen 12.06.2026)
- Bundeswehr, Grundausbildung Überblick (abgerufen 12.06.2026)