Dienstzeitende planen: Was du 2 Jahre vorher wissen musst

Oberfeldwebel Marius T., 8 Jahre Jägertruppe, schied regulär zum 31. März aus. Er wusste seit gut einem Jahr, dass das DZE kommt. Seinen BFD-Berater hatte er nie kontaktiert — „wollte ich nach dem Ausscheiden angehen“. Einen Tag nach dem DZE rief er beim Berufsförderungsdienst an und fragte, ob er jetzt einen Kurs beginnen könne. Die Antwort war grundsätzlich ja. Was er nicht wusste: Der Förderplan muss vor Beginn der Maßnahme bewilligt sein, rückwirkende Förderung ist eine Ausnahme, kein Regelfall. Er hatte bereits Anfang März einen IHK-Zertifikatskurs gebucht und angezahlt — ohne BFD-Antrag, ohne Bewilligung. Der Kurs begann am 1. April. Die Förderung für diesen Kurs erhielt er nicht. Rund 900 Euro blieben an ihm hängen.

Das ist kein Einzelfall. In meiner Einheit kannte ich drei SaZ mit vergleichbarer Dienstzeit, die ihren BFD-Anspruch nie vollständig ausgeschöpft haben — nicht weil sie keinen hatten, sondern weil sie zu spät mit dem Förderplan angefangen haben. Einer von ihnen war so unter Zeitdruck, dass er eine Maßnahme gewählt hat, die nicht zu seinem Zielberuf passte, nur weil noch Kapazität war. Ein weiterer wusste beim Ausscheiden nicht, dass seine Übergangsgebührnisse seit 2021 rentenversicherungspflichtig sind — er hatte seine Finanzplanung auf Netto-Zahlen gestützt, die nicht stimmten.

Das Dienstzeitende ist planbar. Es gibt kein Argument, das 24 Monate Vorlauf überflüssig macht. Was du nicht rechtzeitig beantragst, bekommst du nicht. Was du nicht rechtzeitig entscheidest, entscheidet sich ohne dich — meistens schlechter.

Dieser Artikel gibt dir das Gerüst für die nächsten zwei Jahre.

Warum 2 Jahre Vorlauf? Die nüchterne Realität

Beim Dienstzeitende (DZE) endet das Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit (SaZ) nach § 54 Abs. 1 Soldatengesetz planmäßig mit Ablauf der Verpflichtungszeit. Kein Ruhegehalt, kein Übergang in den Beamtenstatus — sondern der direkte Weg in das zivile Erwerbsleben.

Das Problem: Das System, das dich dabei unterstützt — BFD, Übergangsgebührnisse, Nachversicherung, Krankenversicherungszuschuss — funktioniert nur, wenn du es rechtzeitig aktivierst. Jede dieser Leistungen ist an Fristen, Anträge und Voraussetzungen geknüpft. Wer zu spät beginnt, verliert nicht das Recht auf die Leistung, aber oft den optimalen Zugang dazu.

Konkret:

24 Monate sind kein Luxus. Sie sind das Minimum, um alle Optionen vollständig zu nutzen.

SaZ-Klassen — wer hat welche Ansprüche:

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KlasseDienstzeitWesentliche Ansprüche
Kurz-SaZ12–23 MonateBeratung beim BFD, kaum Förderungsanspruch, keine Übergangsgebührnisse (Vollbetrag)
Mittel-SaZ2–12 JahreBFD-Vollanspruch ab 4 Jahren; Übergangsgebührnisse ab 4 Jahren; Übergangsbeihilfe
Lang-SaZ13–25 JahreVoller Anspruch; ab 12 Jahren Eingliederungs- / Zulassungsschein möglich

Der Vollanspruch auf BFD-Förderung beginnt erst ab 4 Jahren Gesamtdienstzeit (§ 5 SVG, § 7 SVG). Übergangsgebührnisse werden nach neuer Rechtslage ab 1 Jahr Dienstzeit gewährt, aber im relevanten Umfang (12+ Monate Bezugsdauer) erst ab 4 Jahren (§ 16 SVG). Wer kürzer dient, hat nur anteilige oder keine Ansprüche auf Bildungsförderung.

Berufsförderungsdienst (BFD) — dein wichtigster Verbündeter

Der Berufsförderungsdienst — nicht „Berufsbildungsdienst“, nicht „BFD des Arbeitsamtes“, sondern der BFD der Bundeswehr — ist die zentrale Einrichtung zur Vorbereitung von SaZ auf das zivile Berufsleben. Er ist in 16 regionale Teams mit 86 Standortteams gegliedert und operiert bei den Karrierecentern der Bundeswehr.

Rechtsgrundlagen: § 5 SVG (Berufsberatung), §§ 7–9 SVG (Förderung schulischer und beruflicher Bildung), Berufsförderungsverordnung (BFöV).

Anspruchsstaffelung nach Dienstzeit

Förderungsanspruch besteht ab einer Mindestdienstzeit von 4 Jahren (§ 5 SVG iVm § 7 SVG). Die folgende Tabelle gilt für SaZ, deren Dienstverhältnis nach dem 25. Juli 2012 begründet wurde.

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Dienstzeit SaZBFD-FörderungsdauerKostenhöchstbetrag Bildung
4 < 5 Jahrebis zu 12 Monate5.000 €
5 < 6 Jahrebis zu 18 Monate7.000 €
6 < 7 Jahrebis zu 24 Monate9.000 €
7 < 8 Jahrebis zu 30 Monate11.000 €
8 < 9 Jahrebis zu 36 Monate13.000 €
9 < 10 Jahrebis zu 42 Monate15.000 €
10 < 11 Jahrebis zu 48 Monate17.000 €
11 < 12 Jahrebis zu 54 Monate19.000 €
12+ Jahrebis zu 60 Monate21.000 €

Quelle: BFD-Broschüre „Neues Recht“ (bundeswehr.de), BFöV § 19 Abs. 2

Die Förderungsdauer beginnt mit dem DZE zu laufen. Nicht genutzte Kapazitäten und Restgelder verfallen. Bildungsmaßnahmen müssen innerhalb von 7 Jahren nach DZE begonnen werden (§ 16 Abs. 1 BFöV); bei 20+ Jahren Gesamtdienstzeit gilt eine Frist von 8 Jahren. Das klingt lang — aber wer 60 Monate Förderung hat und davon nur 18 nutzt, hat Potenzial verschenkt.

Was wird gefördert

Nicht gefördert: Maßnahmen, die ohne BFD-Beratung und vor Erstellung des Förderungsplans begonnen wurden. Rückwirkende Förderung ist nur in Ausnahmefällen und nicht garantiert möglich.

Eingliederungsschein / Zulassungsschein (ab 12 Dienstjahren): SaZ mit mindestens 12 Jahren Dienstzeit können einen Eingliederungsschein (bevorzugte Einstellung im öffentlichen Dienst) oder Zulassungsschein (Einstellungsprüfungen) erhalten. Altersgrenze Zulassungsschein: vollendetes 40. Lebensjahr. Wichtig: Der Eingliederungsschein mindert die Übergangsbeihilfe auf 25 % des sonst zustehenden Betrags (§ 19 Abs. 3 SVG). Das ist die direkte Gegenleistung für den privilegierten Zugang.

Antragsfristen

Frist / AnforderungRegelung
Berufsberatung beim BFDVerbindliche Voraussetzung für jede Förderungsbewilligung (§ 5 Abs. 1 SVG)
Pflicht-Beratungstermin SaZ 20+ JahreSpätestens 1 Jahr vor DZE (§ 5 Abs. 3 SVG)
Empfohlener erster Beratungstermin36 Monate vor DZE (BFD-Best-Practice)
Antrag BildungsmaßnahmeVor Beginn der Maßnahme beim BFD einreichen
Meldung BundeswehrfachschuleSpätestens 7 Monate vor Maßnahmebeginn
KostenerstattungsantragInnerhalb 6 Monate nach Abschluss der Maßnahme
Vollzeit-Maßnahme vor DZEAusnahmsweise bis 3 Monate vor DZE möglich (§ 16 Abs. 2 BFöV)
Interne BFD-Maßnahmen nach DZEBis 6 Jahre nach DZE im Rahmen freier Kapazitäten (§ 8 Abs. 3 BFöV)

Quelle: Berufsförderungsverordnung (BFöV), gesetze-im-internet.de; bundeswehr.de/bfd

Roberts Hinweis: BFD-Beratung nicht auf 6 Monate vor DZE verschieben. Der erste Beratungstermin beim BFD löst den Förderungsplan aus. Ohne Förderungsplan keine bewilligte Maßnahme. Populäre Weiterbildungen — Projektmanagement-Zertifikate, technische Lehrgänge, Bachelor-Programme — sind oft 12–18 Monate im Voraus ausgebucht. Wer mit 18 Monaten Vorlauf beginnt, sichert sich die Plätze. Wer mit 6 Monaten beginnt, nimmt was übrig ist. Der empfohlene erste Termin ist 36 Monate vor DZE — der letzte sinnvolle Zeitpunkt ist 18 Monate davor.

Übergangsgebührnisse und Übergangsbeihilfe — was dir zusteht

Übergangsgebührnisse (§ 16 SVG) Staffelung

Übergangsgebührnisse sind eine monatliche Zahlung zur Überbrückung der Eingliederungsphase in das zivile Erwerbsleben. Anspruch haben SaZ mit mindestens 4 Jahren Gesamtdienstzeit, deren Dienstverhältnis planmäßig endet oder wegen Dienstunfähigkeit ohne grobes Eigenverschulden.

Zahlender: Bundesverwaltungsamt (BVA). Beginn: erster Monat nach DZE.

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Dienstzeit SaZDauerGrundbetragMit Bildungszuschuss (Vollzeit-Maßnahme)
4 < 5 Jahre12 Monate75 % letzter Bezüge100 % letzter Bezüge
5 < 6 Jahre18 Monate75 %100 %
6 < 7 Jahre24 Monate75 %100 %
7 < 8 Jahre30 Monate75 %100 %
8 < 9 Jahre36 Monate75 %100 %
9 < 10 Jahre42 Monate75 %100 %
10 < 11 Jahre48 Monate75 %100 %
11 < 12 Jahre54 Monate75 %100 %
12+ Jahre60 Monate75 %100 %

Quelle: § 16 SVG (gesetze-im-internet.de/svg_2025/__16.html)

Der Bildungszuschuss (25 % der letzten Bezüge) wird auf Antrag zusätzlich gewährt, wenn du an einer durch den BFD geförderten Maßnahme in Vollzeitform teilnimmst. Einkommen aus der Bildungsmaßnahme selbst wird auf den Zuschuss angerechnet.

Hinzuverdienst: Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung — auch im öffentlichen Dienst — kürzt die Übergangsgebührnisse seit dem 01.01.2025 nicht mehr. Die frühere Ruhensregelung für Beschäftigung im öffentlichen Dienst (ehemals § 53 SVG) wurde mit dem Artikelgesetz Zeitenwende rückwirkend ab 01.01.2025 abgeschafft. Du kannst parallel arbeiten und trotzdem die vollen Übergangsgebührnisse erhalten.

Offiziers-Tipp: Übergangsgebührnisse sind seit 2021 rentenversicherungspflichtig — netto kalkulieren. Seit dem 1. Januar 2021 unterliegen Übergangsgebührnisse der Rentenversicherungspflicht (Änderung SGB VI). Der Bund zahlt die Beiträge — das klingt gut, bedeutet aber: Die 75 % sind kein Brutto-Netto-Verhältnis wie früher. Es fallen Sozialabgaben an. Plane deine Liquidität entsprechend und lass dir vom BVA vorab eine Netto-Schätzung geben. Wer auf Basis der Bruttosumme kalkuliert, rechnet sich reicher als er ist.

Übergangsbeihilfe (§ 19 SVG) Beispielrechnung SaZ 8 Jahre

Die Übergangsbeihilfe ist eine einmalige Abfindungszahlung am Ende des Dienstverhältnisses. Mindestdienstzeit: über 6 Monate. Zahlender: BVA. Steuerlich: steuerpflichtig — die Fünftelregelung prüfen lassen, das kann erheblich Steuern sparen (→ mehr zur Steuererklärung als Soldat in unserem Artikel Steuererklärung als Soldat).

Staffelung nach Dienstzeit (neues Recht ab 25.07.2012):

Faktor der letzten Monatsbezüge

Quelle: § 19 SVG (gesetze-im-internet.de/svg_2025/__19.html)

Rechenbeispiel SaZ 8 Jahre:
Letzter Dienstgrad Oberfeldwebel, Besoldungsgruppe A 7 (Grundgehalt ca. 3.578 € nach neuer Besoldungstabelle 2026, Referentenentwurf BAlimentG). Zu den aktuellen Besoldungsstufen sieh unseren Artikel Besoldung Bundeswehr 2026.

Hinweis Besoldungsanpassung 2025/2026: Die Bundesbesoldung wird in zwei Schritten erhöht: +3,0 % ab 01.04.2025, +2,8 % ab 01.05.2026 (BAlimentG). Damit steigen auch die Berechnungsgrundlagen für Übergangsgebührnisse und Übergangsbeihilfe. Details zur Reform: Besoldungsreform Bundeswehr 2025/2026.

Minderung bei Eingliederungsschein: Wer einen Eingliederungsschein wählt, erhält nur 25 % der sonst zustehenden Übergangsbeihilfe (§ 19 Abs. 3 SVG). Das ist keine Strafe, sondern die kalkulierte Gegenleistung für den privilegierten Zugang zum öffentlichen Dienst. Die Entscheidung muss bewusst getroffen werden.

Krankenversicherung — der teuerste Fehler den du machen kannst

Mit dem DZE endet die unentgeltliche truppenzärztliche Versorgung (utV) am ersten Tag. Ab dann besteht Krankenversicherungspflicht — und du musst selbst handeln.

Wichtig seit 01.01.2019: SaZ erhalten nach dem DZE keinen Beihilfeanspruch mehr. Die alte Regelung (Beihilfebemessungssatz 70 %) gilt nur noch für SaZ, deren DZE vor dem 31.12.2018 lag. Für alle anderen gilt § 18 SVG: der Staat zahlt während des Bezugs von Übergangsgebührnissen einen Zuschuss von 50 % des Krankenversicherungsbeitrags — egal ob GKV oder PKV. Das BVA zahlt den Zuschuss nach Vorlage des Beitragsbescheids.

PKV-Anwartschaft (klein/groß)

Wer nach dem DZE privat versichert sein will, braucht eine Anwartschaft, die noch während der aktiven Dienstzeit abgeschlossen wurde. Nach DZE ist der PKV-Einstieg ohne Anwartschaft nur mit vollständiger Gesundheitsprüfung möglich — und wer nach Jahren Dienst Knieschaden, Rückenprotokolle oder andere Vorerkrankungen mitbringt, zahlt Risikozuschläge oder wird abgelehnt.

Kleine Anwartschaft:

Große Anwartschaft:

Bei beiden Anwartschaftsarten entfällt die Gesundheitsprüfung bei Aktivierung vollständig. Das ist der Kern des Produkts.

Mehr dazu im Detail: PKV-Anwartschaft für Soldaten.

Roberts Hinweis: PKV-Anwartschaft sofort bei Dienstantritt — nicht 2 Jahre vor DZE. Die PKV-Öffnungsaktion für Soldaten gilt ausschließlich innerhalb von 6 Monaten ab Begründung des SaZ-Dienstverhältnisses — nicht beim Ausscheiden. Im Rahmen dieser Öffnungsaktion ist eine Aufnahme mit maximal 30 % Risikozuschlag garantiert, auch bei Vorerkrankungen. Wer diese Frist verpasst, kann eine Anwartschaft zwar noch abschließen, verliert aber den garantierten Zugang. Nach DZE ist die Öffnungsaktion nicht mehr zugänglich. Die günstigste und sicherste Lösung ist die kleine Anwartschaft ab Tag 1 des Dienstverhältnisses.

GKV-Rückkehr (3-Monats-Frist)

Der freiwillige Beitritt zur gesetzlichen Krankenversicherung nach DZE ist innerhalb von 3 Monaten nach DZE möglich (§ 9 SGB V). Freie Wahl der Krankenkasse, unabhängig von der Vorversicherung. Der Beitrag basiert auf den Übergangsgebührnissen als beitragspflichtige Einnahme. Angehörige ohne eigenes Einkommen können beitragsfrei familienversichert werden.

Die 3-Monats-Frist ist eine Ausschlussfrist. Wer sie versäumt, ist nicht automatisch ohne Versicherung — aber die freie Wahl der Krankenkasse entfällt.

KV-Zuschuss § 18 SVG

Während des Bezugs von Übergangsgebührnissen zahlt das Bundesverwaltungsamt 50 % des Krankenversicherungsbeitrags als Zuschuss — analog zum Arbeitgeberzuschuss. Das gilt für GKV und PKV gleichermaßen. Voraussetzung: Vorlage des Beitragsbescheids der Kasse oder des PKV-Anbieters beim BVA.

Praktische Schritte vor DZE (Krankenversicherung):

  1. Entscheidung GKV vs. PKV mindestens 3 Monate vor DZE bindend treffen
  2. Krankenkasse oder PKV-Anbieter vor DZE kontaktieren, Mitgliedschaft ab dem Tag nach DZE sicherstellen
  3. Kopien der G-Akte und Zahnakte 2 Monate vor DZE anfordern (werden sonst archiviert und sind schwer zugänglich)
  4. BVA über KV-Wahl informieren und Beitragsbescheid nach Erhalt umgehend weiterleiten

Rente — wie die Nachversicherung funktioniert

SaZ sind während ihrer Dienstzeit versicherungsfrei in der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VI). Es werden keine laufenden Rentenbeiträge abgeführt. Nach DZE werden SaZ durch den Bund in der Deutschen Rentenversicherung (DRV) nachversichert (§ 8 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI). Das BVA zahlt sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmeranteil für die gesamte Dienstzeit in die DRV ein.

Was der SaZ tun muss: Das BVA schickt rechtzeitig vor DZE das Formular „Erklärung zur Nachversicherung“. Dieses Formular muss umgehend ausgefüllt zurückgesendet werden. Ohne dieses Formular kann die Nachversicherung nicht eingeleitet werden — das kann die Auszahlung der Übergangsgebührnisse verzögern. Ich kenne Fälle, in denen sich die ersten Zahlungen um 6–8 Wochen verzögert haben, weil das Formular im Postfach blieb.

Berechnung der Nachversicherungsbeiträge:

Was die Nachversicherung leistet — und was nicht:

Die gesamte Dienstzeit zählt als Beitragszeit in der DRV. Die 5-Jahres-Wartezeit für Erwerbsminderungsrente kann dadurch erfüllt werden. Altersrente: normale DRV-Rente nach Regelaltersgrenze.

SaZ mit nur 4–6 Jahren Dienstzeit haben niedrige Rentenpunkte aus der Nachversicherung. Die DRV-Rente aus der Bundeswehrzeit allein reicht selten. Ergänzende Altersvorsorge ist keine Option, sondern Pflicht.

Ausnahme: Wer nach DZE ein Beamtenverhältnis aufnimmt, wird nicht nachversichert (Aufschubgrund § 184 Abs. 2 SGB VI). Wer später aus dem Beamtenverhältnis wieder ausscheidet, muss die Situation mit der DRV klären.

Resturlaub, Dienstzeitausgleich und Umzug

Resturlaub

SaZ haben Anspruch auf 29 Urlaubstage pro Jahr (ab 55 Jahren: 30 Tage, Soldatenurlaubsverordnung). Im letzten Urlaubsjahr vor DZE gilt anteilige Gewährung: 1/12 des Jahresurlaubs pro vollem Dienstmonat.

Beispiel: DZE am 30. September → 9 volle Monate → 9/12 × 29 = ca. 22 Urlaubstage im letzten Jahr.

Es gibt kein Recht auf Urlaubsabgeltung in Geld — außer bei krankheitsbedingt nicht genommenem Mindesturlaub (rechtlich komplex, BVerwG-Rechtsprechung beachten). Resturlaub direkt vor DZE ermöglicht einen faktisch früheren Zivilstart. Planung mit dem Vorgesetzten: 12 bis 6 Monate vor DZE, Antrag schriftlich einreichen.

Dienstzeitausgleich (DZA)

Dienstzeitausgleich umfasst angesammelte Zeitguthaben aus Mehrarbeit, Schichtdienst und Wechselschicht. Seit der SAZV-Novelle 2022 können Soldaten Zeitguthaben auf einem Langzeitarbeitskonto (LZK) ansparen — maximal 1.400 Stunden. Ansparphase: bis 12 Monate vor DZE. Abbau: Freistellung unter Beibehaltung der Bezüge auf Antrag.

Kritisch: Das Zeitguthaben ist nicht auszahlbar. Wer bei DZE noch Guthaben auf dem LZK hat — zum Beispiel bei Dienstunfähigkeit — verliert es ersatzlos. Das steht so in der SAZV. Ein Kamerad von mir schied wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig aus und verlor über 400 Stunden. Kein Ausgleich, kein Restgeld.

Empfehlung: DZA-Guthaben systematisch ab 18 Monaten vor DZE abbauen. Nicht auf das LZK vertrauen. Mit Disziplinarvorgesetztem und S1/G1 absprechen.

Trennungsgeld und Umzug

Das Trennungsgeld endet mit dem letzten Diensttag. Für die Zeit der Übergangsgebührnisse besteht kein Trennungsgeldanspruch mehr. Details zum Trennungsgeld: Trennungsgeld Bundeswehr.

Die Trennungsgeldwohnung muss spätestens zum DZE aufgelöst werden. Kündigung mit 3 Monaten Vorlauf einreichen. Nachmieter rechtzeitig suchen.

Das Bundesumzugskostengesetz (BUKG) gilt nur für aktive Dienstverhältnisse. Nach DZE besteht kein BUKG-Anspruch. Ausnahme Endumzug: Wenn innerhalb der letzten 10 Jahre eine Umzugskostenvergütung mit Zusage zustand, kann ein bezahlter Vorwegumzug an den gewünschten Entlassungsort noch vor DZE stattfinden. Der eigentliche Endumzug muss innerhalb von 5 Jahren nach dem letzten Dienstantritt abgeschlossen sein, der Antrag innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Umzugs. Der BFD erstattet Umzugskosten zum neuen Wohnort innerhalb von 2 Jahren nach DZE oder abgeschlossener BFD-Maßnahme — gesondert vom BUKG.

Kaserne räumen: Vollzähligkeitsprüfung der persönlichen Ausrüstung 3–6 Monate vor DZE durchführen. Schadens- und Verlustmeldungen frühzeitig einleiten. Unterkunft spätestens am letzten Diensttag übergeben.

Bewerbung zivil — Lebenslauf, Timing, Hilfen

Wann anfangen

Zeitraum vor DZEEmpfohlene Aktivität
24–18 MonateSelbstklarung: Branche, Beruf, Region. Kontakt zu ehemaligen Kameraden. BFD-Berater über Zielprofil informieren.
18–12 MonateBFD-Job-Service nutzen. Praktikum planen und beantragen. Lebenslauf erarbeiten.
12–6 MonateErste Bewerbungen für Stellen mit Start nach DZE. Jobmessen besuchen.
6–3 MonateIntensive Bewerbungsphase. Ggf. Dienstzeitverkürzung prüfen (selten genehmigt).
3 MonateBVA-Unterlagen, Krankenversicherung, letzte Formalien.

Arbeitssuchend melden: Mindestens 3 Monate vor geplantem Arbeitsbeginn bei der für den Wohnort oder Dienstort zuständigen Agentur für Arbeit. Nicht erst nach DZE. Die Meldung mindestens alle 3 Monate erneuern.

Lebenslauf als Ex-Soldat

Zivile Personaler kennen den Unterschied zwischen einem Gruppenführer und einem Truppführer nicht — und sie müssen es auch nicht wissen. Du musst übersetzen:

Gesamtvita SAP anfordern: Vollständige Übersicht aller Stationen, Lehrgänge und Kommandierungen beim Personalführer anfordern. Das ist die Grundlage für jeden Lebenslauf.

Netzwerk und Jobmessen

Der BFD führt eigene Job- und Bildungsmessen durch (bundeswehr.de/bfd, Bereich „Veranstaltungen“). Kooperationspartner des BFD — darunter Unternehmen aus der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche sowie Bundesbehörden — bieten eigene SaZ-Programme und Berufsorientierungspraktika an. 94 % der SaZ finden laut Bundeswehr innerhalb der ersten 6 Monate nach DZE einen Arbeitsplatz.

Dein 2-Jahres-Plan

Meilenstein 1: 24 Monate vor DZE — Selbstklarung und erster BFD-Kontakt

Meilenstein 2: 18 Monate vor DZE — BFD-Förderungsplan, Bildungsziel, PKV

Meilenstein 3: 12 Monate vor DZE — Bewerbungen, Urlaub, DZA

Meilenstein 4: 6 Monate vor DZE — Intensivphase Bewerbungen und Formalien

Meilenstein 5: 3 Monate vor DZE — BVA, Krankenversicherung, Abwicklung

Meilenstein 6: 1 Monat vor DZE — Letzte Formalien

FAQ

Bei mindestens 4 Jahren Gesamtdienstzeit: Übergangsgebührnisse (75 % der letzten Bezüge, monatlich), Übergangsbeihilfe (einmalig, Faktor der letzten Monatsbezüge nach Dienstzeit), BFD-Förderung (Bildungsmaßnahmen, Bildungspass, Jobvermittlung) und KV-Zuschuss nach § 18 SVG (50 % des KV-Beitrags während der Übergangsgebührnisphase). Dazu Nachversicherung in der DRV durch den Bund. Bei unter 4 Jahren Dienstzeit: deutlich eingeschränktere Ansprüche, kein Vollzugang zum BFD.

Bei 12 oder mehr Jahren Gesamtdienstzeit: 60 Monate (5 Jahre) Übergangsgebührnisse. Grundbetrag: 75 % der letzten Dienstbezüge. Bei gleichzeitiger Vollzeit-Bildungsmaßnahme mit Bildungszuschuss: 100 % der letzten Bezüge (§ 16 SVG).

Ja. BFD-Maßnahmen müssen innerhalb von 7 Jahren nach DZE begonnen werden (§ 16 Abs. 1 BFöV); bei 20+ Jahren Dienstzeit gilt eine Frist von 8 Jahren. Interne BFD-Maßnahmen sind bis 6 Jahre nach DZE im Rahmen freier Kapazitäten möglich (§ 8 Abs. 3 BFöV). Der Förderungsplan muss allerdings vor Beginn der Maßnahme bewilligt sein — rückwirkende Förderung ist keine Regeloption.

Nach DZE versichert der Bund den SaZ in der DRV nach (§ 8 Abs. 2 SGB VI). Grundlage sind die tatsächlichen Dienstbezüge. Seit 2016 werden die beitragspflichtigen Einnahmen für die Nachversicherung fiktiv um 20 % erhöht (§ 181 Abs. 2a SGB VI), was die spätere Rentenvöhe verbessert. Seit 01.01.2021 sind auch die Übergangsgebührnisse rentenversicherungspflichtig — die Lücke in der BFD-Phase ist damit geschlossen.

Nicht zwingend. Seit dem 01.01.2019 können alle SaZ nach DZE freiwillig in die GKV eintreten (§ 9 SGB V), Frist: 3 Monate nach DZE. PKV ist ebenfalls möglich, setzt aber eine während der Dienstzeit abgeschlossene Anwartschaft voraus, wenn du die Gesundheitsprüfung umgehen willst. In beiden Fällen zahlt der Bund über § 18 SVG 50 % des Beitrags. Beihilfeanspruch nach DZE gibt es seit 2019 nicht mehr.

Der empfohlene erste Beratungstermin liegt bei 36 Monaten vor DZE. Für SaZ mit 20 oder mehr Jahren Dienstzeit ist ein Beratungstermin spätestens 12 Monate vor DZE nach § 5 Abs. 3 SVG gesetzlich verpflichtend. Jede Förderungsmaßnahme setzt eine vorherige Berufsberatung beim BFD voraus — das ist keine Empfehlung, sondern Bewilligungsvoraussetzung.

Übergangsgebührnisse (§ 16 SVG) sind eine monatliche Zahlung über einen Zeitraum von 12 bis 60 Monaten in Höhe von 75 % der letzten Dienstbezüge — zur Überbrückung der Eingliederungsphase. Übergangsbeihilfe (§ 19 SVG) ist eine einmalige Abfindungszahlung in Höhe des 4- bis 15-fachen der letzten Monatsbezüge, abhängig von der Dienstzeit. Beide können grundsätzlich parallel bezogen werden; der Eingliederungsschein mindert die Übergangsbeihilfe auf 25 % des sonst zustehenden Betrags (§ 19 Abs. 3 SVG).

Quellen & Rechtsgrundlagen

Dienstzeitende konkret durchrechnen

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Bei Versicherungs- und Vorsorgefragen zu deinem DZE empfiehlt sich eine unabhängige Beratung über vorsorgebund.de — zugeschnitten auf Soldaten und deren spezifische Ausgangslage.

Robert K., Hauptmann a.D., Jägertruppe, 17 Jahre Bundeswehr, Personaloffizier der Reserve. Alle Angaben nach bestem Wissen; Stand 24. Mai 2026. Keine Rechtsberatung — maßgeblich sind die offiziellen Dokumente der Bundeswehr und die genannten Rechtsquellen.